(Gunner Records/ Broken Silence) Eines der meisterwarteten Alben im Punkrock-Zirkus in diesem Jahr. RED CITY RADIO melden sich mit ihrem dritten Studioalbum zu Wort und haben meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Das ich nicht ganz objektiv sein kann bei dieser Band sei mir verziehen, aber ich versuche trotzdem, eine informative und faire Rezension zu formulieren. Eine Dekade RED CITY RADIO, 2011 gab es allerdings erst das Debütalbum "The Dangers Of Standing Still" und seitdem geht es Schlag auf Schlag. Exzessives Touren auf dem Heimatkontinent und der alten Welt (=ergo: Europa) bedeuteten für die Jungs aus Oklahoma City einen immensen Anstieg neuer Fans, die die famose Mischung aus emotionalem, whiskeygeschwängertem Gesang verbunden mit den hymnisch-catchy Soundgewand und den zum Trademark gewordenen Background-Chören massiv abfeierten und schon bald Nachschub verlangten. Dieser Wunsch wurde mit "Titles" erfüllt und RED CITY RADIO gelang hier nochmal eine Steigerung zum Vorgängeralbum, da hier zwar der jugendliche Wahnsinn etwas flöten gegangen war, die Euphorie und Frische aber konserviert wurde und sich diese in ein wahres Hitfeuerwerk entlud. Nun also Nr.3, welches selbstbetitelt ist, was ja immer ein Zeichen dafür ist, dass eine Band angekommen ist, in sich ruht und weiß, was sie kann. Mit 'Watcha Got' startet "Red City Radio" mit einem typischen Gitarrengeschrammel, über das Garret Dale mit seiner Reibeisenstimme quasi den Einstieg einzählt, um dann chorusverliebt, mit der gereckten Faust, den Song runterzurotzen. Das macht es dem geneigten Zuhörer einfach, da man nun wieder direkt im Kosmos von RED CITY RADIO willkommen geheissen wurde und die weiteren Stücke geniessen kann bzw. durchdrehen darf. Jeder nach seiner Fasson. 🙂 'Rest Easy' zeigt auch gleich zu Anfang, wohin die Reise mit dem dritten Studioalbum geht. Es wird extrem viel Wert auf Wiedererkennung und Hittauglichkeit gelegt, was grundsätzlich schon immer der Fall gewesen ist, allerdings nicht mit diesem neuen Pop-Appeal, der die tollen Melodien noch fassbarer macht. Auch wenn man jetzt zusammenzuckt, wenn man das Nomen "Pop" im Zusammenhang mit RED CITY RADIO hört - man braucht keine Angst vor diesen alles umarmenden Kompositionen haben, da sie sich in Hinblick auf Authenzität in keinster Weise widersprechen. Eher ist dieser Herangehensweise einer neuen Intensität geschuldet, welche das Quartett aus der Masse hervorstechen lässt. Alle Songs auf "Red City Radio" sind im Midtempo angelegt und überzeugen mit ihren kraftvollen und positiven Vibes, bei denen sich meine Endorphinausschüttung nahe am Exodus bewegt, da schon beim ersten Ton eines jeden Liedes diese innere Erwartungshaltung ins Maximale getoppt wird. Und wenn der Song dann losbricht, ist die Kontrolle über den Körper eh hoffnungslos verloren, die Wohnung wird zum Tanzsaal und bekommt eine Umdekorierung spendiert. So müssen sich Drogen anfühlen, wenn sie im Körper zu wirken anfangen. Meine Droge heisst RED CITY RADIO und ich merke, dass mich meine Objektivität komplett verlassen hat! 🙂 Trotzdem weiter im Text: 'Stranger' überzeugt mit einem mitreissenden Chorus und man merkt die eindeutige Weiterentwicklung im gesanglichen Part. Die Stimme von Herrn Dale war schon immer über jegliche Kritik erhaben und ist weiterhin eines der Alleinstellungsmerkmale von RED CITY RADIO, jetzt hat man aber das Gefühl, dass viel Gesangstraining dafür gesorgt hat, dass die Artikulation perfekter sitzt und das Wegbrechen der Stimme ein gewolltes Stilmittel ist. Das nachfolgende 'Two Out Of Three Ain't Rad' hat im Mittelteil einen wunderbaren Mitklatschpart eingebaut, der auf den eh schon schweisstreibenen Konzerten für Stadionatmosphäre im Kellerclub sorgen wird. Im Vorfeld der Albumveröffentlichung wurde 'Electricity' als Anheizer und Vorfreude-Vehikel rausgehauen und macht sich alle Tugenden, die schon oben genannt worden sind, zunutze, um die Fanmeute einzuschwören. Texte werden gelernt, Flanellhemden gebügelt, der Wildwuchs im Gesicht wird ab sofort nicht mehr durch unnötige Rasuren gestoppt. Red City Radio courtesy of Gunner RecordsEs sind erst die Hälfte der 10 Songs umfassenden Platte gelaufen, aber man hat schon längst den Rechner, MP3-Player oder die Anlage auf unendliches Repeat programmiert (sofern man nicht das schicke Vinyl geordert hat), weil man nicht in Verlegenheit kommen will, ohne die grandiose Musik von RED CITY RADIO dazustehen. 'Let Me In' reiht sich in die Hitjukebox ein und überrascht mit der unglaublichen Musikalität der Jungs, welche sich in einem tollen Gitarrensolo niederschlägt, dann dieser Break, um den Spannungsbogen im gleichen Atemzug anzuziehen und druckvoll zum Ende zu kommen. Noch tiefer als beim Beginn von 'Pretend Kings' kann man fast nicht singen, dann öffnet sich der Song und hat diesen "mir scheint die Sonne aus dem Arsch"-Vibe, der dich mitnimmt, fest an der Hand hält und nicht mehr loslässt. Und es stört noch nicht einmal, dass der Refrain zum Ende hin fast tot-wiederholt wird, weil.....geil! Leicht Uptempo-lastig geht es dann doch noch mal los, nämlich mit 'I Should Have Known', wobei nicht die Geschwindigkeit vom Debütalbum erreicht wird, aber Weiterentwicklung zeigt sich auch daran, dass man sich nicht an Altem orientiert, sondern die Chance im Hier und Jetzt nutzt, um seine Visionen umzusetzen. Zum Schluss hat es die Jungs von RED CITY RADIO nochmal gepackt und 'In The Meantime' prescht ebenfalls im oberen Drehzahlbereich melodieverliebt und voller Emotionen in deinen Hirnstamm, um dich danach zu entlassen - tagelang den Chorus vor dich hin pfeifend. Emotion ist ein großes Wort, welches mit dem Abschlusstrack 'I`ll Catch A Ride' seine musikalische Inkarnation erlebt und in stillen Momenten dein Herz packt, es mit positiven Gefühlen vollstopft und dich gefühlt als besserer Mensch zurücklässt. Und wer RED CITY RADIO kennt und liebt, kann keine schlechte Person sein. Ach komm, was soll ich groß drumherum reden: 6 verdammte Blitze!! Volle Punktzahl! Anwärter auf das Album des Jahres! Fan-Review und Liebeserklärung - Sorry! 🙂 Album-VÖ: 24.04.2015 (Photo courtesy of Gunner Records)