(Epitaph Europe/ Indigo) Die skandinavischen Pioniere im Bereich des harmoniesüchtigen straight vorgetragenen PunkRocks beehren uns mit ihrem mittlerweile achten Studioalbum und dem ersten seit sieben Jahren. Schweden war immer ein Highlight für Freunde des Punkrocks jeglicher Coloeur, ob es nun Skatepunk der Satanic Surfers war, der schnelle MelodyCore von No Fun At All oder eben MILLENCOLIN, die den etwas ernsthafteren Ansatz verfolgten (zumindest ab den 2000er Jahren) und trotzdem zu unterhalten wussten. Es gibt Bands oder besser gesagt Alben von Bands, bei denen man nach der ersten Ankündigung einer Veröffentlichung ganz hibbelig wird und jegliche Information aufsaugt, bis der große Moment des Erscheinens wahr wird. So erging es mir die letzten Jahre (ich muss schon fast Jahrzehnte sagen) bei MILLENCOLIN.  Seit den jugendlichen Parforceritten "Tiny Tunes" (1995) und "For Monkeys" (1997) hatten sie einen Stein bei mir im Brett, was zu einer Herzensangelegenheit wurde, als "Pennybridge Pioneers" das Millenium einläutete. Danach folgten heiss ersehnte, aber im Endeffekt irgendwie egale Alben wie "Home From Home" (2002) oder der kreative Nullpunkt "Machine 15" (2008), der mir den Spass an MILLENCOLIN etwas nahm, wobei mich die zeitgleiche Enttäuschung über nicht allzu gute Liveperformances in die Realität zurückgeholt hat. Nun also "True Brew", ein Album mit 13 Songs. Neutrale Erwartungshaltung, aber gespannt. Man merkt relativ schnell nach Beginn, dass die Jungs mit viel Motivation, Spass und Enthusiasmus  an die Sache ran gegangen sind....ähnlich wie bei ihrem zwischenzeitlichen Hoch namens "Kingwood"(2005), welches auch mit viel Esprit überzeugen konnte. "True Brew" startet mit mit dem unspektakulären, aber gerade deswegen so guten 'Egocentric Man' und übergibt den Staffelstab an das rockige 'Chameleon'. Auch das musikalisch einwandfreie Trio, was darauf folgt, lässt einen wieder an die gute alte Zeit denken, als der Job noch nicht im Vordergrund stand, sondern das Treffen mit Freunden, das Chillen in der Sonne. Alleine dafür gebührt MILLENCOLIN Respekt und Dankbarkeit, da sie es schaffen, für notwendige Ablenkung zu sorgen. Und anders als bei oben genannten halbgaren Alben, bleibt man hier gerne dabei, auch wenn die Halbwertzeit aufgrund gleichklingenden Sounds nicht ins Unendliche steigt. Für das kleine Entertainment-Häppchen zwischendurch, um sich mal ordenlich eine neue Föhnwelle zu verpassen, passt es aber allemal. Millencolin-Vamos-4000pxIch finde das alles gut produziert und dargeboten, auch die Erinnerung an "PP" Zeiten nehme ich gerne mit, aber vielleicht sitzt meine persönliche Enttäuschung zu tief verankert, als dass ich "True Brew" jetzt über den grünen Klee loben könnte. 'Silent Suicide' oder 'Man Of A Thousand Tics' sind beispielsweise tolle Kompositionen, aber sie nehmen mich halt nicht mehr so mit, wie damals....was vielleicht daran liegt, dass ich auch nicht abgeholt werden wollte. "True Brew" ist ein überdurchschnittliches Album geworden, welches allen Fans den Glauben an die Schweden zurückgeben wird und ich wünsche MILLENCOLIN den verdienten Erfolg. Ein Comeback nach Maß könnte man wohl behaupten. Aus persönlicher Sicht kann ich sagen, dass mich MILLENCOLIN etwas besänftigt haben, ich ihnen so einen, in sich geschlossenen und unterhaltsamen Auftritt in Form eines Tonträgers nicht mehr zugetraut hätte, aber die Fanzeiten definitiv vorbei sind. 4,5 Blitze sind es aber natürlich trotzdem locker geworden. 🙂 Album-VÖ: 24.04.2015 (Photo courtesy of MILLENCOLIN/by Vamos)