(Redfield Records) In welchem Stadium befindet sich die Hardcore- und Metalcoreszene momentan? Diese Frage stelle ich mir immer wieder aufs Neue, wenn ich passende neue Releases höre. DESASTERKIDS sehen sich mit ihrem Sound jedenfalls nicht der Hardcoreszene zugehörig und erwünscht (Gitarrist Iain Duncan in der 42'en Fuze-Ausgabe). Was ist (Hard)core-Musik denn überhaupt noch heutzutage? Muss man dafür real oder straight-edge oder sonst was sein? Oder sollte man nicht einfach sein Ding durchziehen und das tun, worauf man gerade Bock hat, wenn doch alle so tolerant seien? Wie dem auch sei...DESASTERKIDS haben mit ihrem Debut-Album "030" unter Redfield Records ihr Ding durchgezogen... ...und mich vollstens überrascht. Bereits der erste Song '030 | Breakdown City' ist zwar, nicht überraschend, voller Breakdowns, doch sind die begleitenden Riffs und vor allem der Chorus mega-catchy. Der angepriesene Nu Metal-Einfluss ist sehr präsent, allen voran in 'Harlot Killer'. Die Scratches befördern einen im hohen Bogen zurück in Iowa-Zeiten Slipknot's. Dabei drücken die Jungs den elf Tracks dann aber auch ihren eigenen Stempel auf und rehashen den Sound von vor 10 Jahren nicht. Ich werde keine Namen verraten (während ich in meiner Musikbibliothek die neuesten Longplayer von We Came As Romans, Of Mice and Men und Heartist herauskrame). 'Lawless' und '#sicksicksick' zeigen im weiteren Verlauf die etwas poppigere Seite der Berliner Desasterkinders. Dabei klingt die Band zum Glück jedoch nicht radio-mainstreamig. Besonders beim Benutzen der trendigen Hashtags muss ich mir viermal überlegen, ob ich das so recht ernst nehmen kann. Die Musik belehrt mich jedoch eines Besseren...und dann, sorry, aber was ist 'Autobahnsong' denn bitte für ein geiler Song? Der hebt sich komplett vom Rest ab, zeigt eine komplett andere Seite und lässt die Poren meiner Haut um einen halben Zentimeter in die Höhe schießen, sick! Im Endeffekt ist "030" dann aber auch locker sick³ oder #sicksicksick... je nachdem, wie man will. Da darf ich dann beim packenden 'Find What You Love' auch nochmal beide Scheiben meines 2000er Renault Clios herunter drehen und den Babo markieren. DESASTERKIDS-courtesy of Redfield RecordsBeim Namen der Vorgänger-EP "Sex, Beers And Breakdowns" hatte ich, um ehrlich zu sein, eher eine Menge Brostep-Geschrammel und weinerlichen Autotune-Gesang bzw. generischen Eskimo Callboy-Sound erwartet, aber nix da! Die Platte geht richtig gut rein. Vor allem das Riffage hier und da, welches häufig an Slipknot's beste Zeiten erinnert (ich persönlich bin kein Fan vom aktuellen "Vol.5"). Dabei klingen die Drums und die teilweise matschigen Gitarren stark nach dem aktuellen Annisokay-Album "Enigmatic Smile", was nicht überrascht, wenn Sänger und Gitarrist Christoph Wieczorek seine Technik im Spiel hatte. Die eindringlichen Akkorde sind mit kräftigen und ehrlichen Gesang und Shouts untermauert und geben für den Sommer eine gute Figur ab. Ich muss derweilen noch an meiner Stranderscheinung arbeiten. Dabei hilft mir das Hin- und Hergespringe beim Hören von "030" jedoch allemal beim Abnehmen weiter. #fünfeinhalb Blitze #flashedflashedflashed (Photo courtesy of Redfield Records)