(Nuclear Blast) Men At Work wird auch weiterhin meine liebste Band aus Australien bleiben. (Bevor jetzt alle aufschreien: mir ist sehr wohl bewusst, dass z.B. AC/DC auch Australier sind…) Das Album "Holy War" von THY ART IS MURDER wird dies nicht ändern. Ihr drittes Studioalbum macht Genre-mäßig zugegebener Maßen mehr oder minder alles richtig, was es richtig zu machen gibt, und auch ein gewisser Blick über den Tellerrand ist nicht zu verleugnen. Was gibt es dann also zu mosern? Halt, rudern wir etwas zurück und fangen bei den Fakten an: "Holy War" ballert von vorne bis hinten. Die Produktion, die unter den (inzwischen wahrscheinlich nur noch digitalen) Schiebereglern von Will Putney (Suicide Silence, The Acacia Strain, …) ihren Feinschliff erhalten hat, knallt einem dermaßen hart entgegen, dass man sich nach dem morgendlichen Duschen das Föhnen ersparen kann. Zehn Songs zieren den Silberling, die in ihrer Dynamik überraschend abwechslungsreich sind (gemessen an der Erwartungshaltung), insgesamt aber eine sehr klare Sprache sprechen. Das Songwriting ist (wieder in Bezug auf Genre und daraus erwachsender Erwartungshaltung) recht vielseitig und abwechslungsreich geworden. Der Haken an"Holy War"ist schlicht und ergreifend: das Genre Deathcore hat sich innerhalb von Rekordzeit selbst limitiert, ausgelotet und abgegrast, sodass es da schon enorm schwierig geworden ist, noch einen Hering vom Teller zu ziehen. Das gilt allerdings für viele Trend-Subgenres, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Deathcore ist da so ein wenig wie Motörhead: es klingt alles irgendwie gleich, der einzige Unterschied ist, dass es „den schnellen und den langsamen Song“ gibt, und die wiederholen sich halt ständig und immer wieder. Hier machen THY ART IS MURDER dann doch keinen so großen Unterschied, auch wenn sie Ansätze zeigen, sich aus der Masse hervorheben zu wollen. (Anmerkung des Verfassers: im folgenden Absatz hat man das Kernthema der Rezension aus den Augen verloren, grundsätzlich ist das geschriebene aber gerade für Releases wie dieses hier ungemein wichtig und richtig!) Und ohne das unglaublich witzige Youtube-Video, in dem jemand seine Katze einen THY ART IS MURDER -Song auf einem imaginären Schlagzeug spielen lässt, hätte ich wohl auch bis heute noch keine weitere Notiz von dieser Band genommen. Das sind die Folgen der Marktsättigung: irgendwann gibt es einfach zu viele richtig gute Bands, die man eigentlich hören bzw. kennen müsste, und dann ist es lediglich eine Marketing-Frage, wer es nach oben schafft und wer nicht. Man möge mich nostalgisch nennen oder auch nur alt und verkalkt, aber ich sehne mich nach den Zeiten zurück, wo man Musik noch nicht im Überfluss angeboten bekam, wo man Songs noch nicht online streamen oder downloaden konnte, sondern wo man als Metalfan darauf angewiesen war, sich die Neuerscheinungen wirklich auf CD zu kaufen, was seinerzeit auch nicht so schwierig war, denn es gab im Monat ja nur 3-5 Releases, die wirklich wichtig waren. Heute macht jede Schülerband mit Homerecording Hochglanzalben und haut die Sachen via Bandcamp und Co raus. Natürlich ist dadurch alles vielseitiger geworden, aber halt auch unüberschaubarer. (Anmerkung des Verfassers: Jetzt hat er es selbst gemerkt und kommt wieder auf den Punkt zurück!) ThyArtIsMurder2015byThomasSavageFazit: "Holy War"stellt eine konsequente Weiterentwicklung von THY ART IS MURDER dar, Deathcore wird hiermit aber nicht neu erfunden. Für Fans eine klare Empfehlung, für solche, die es werden wollen, ebenfalls, aber Skeptiker wird man mit dieser Scheibe nicht überzeugen oder belehren können. Album-VÖ: 26.06.2015 (Photo by Thomas Savage)