(Music Archy/H’art) Stell dir vor, der Zirkus ist in der Stadt und du gehst hin. Du ahnst jedoch nicht, was dich erwartet. Es ist der 6.Juli 1944 in Hartford, Connecticut, USA. Während der Vorstellung bricht auf einmal ein Feuer aus. Fast 200 Menschen überleben das nicht. Mehr als 700 Menschen werden verletzt. Der Legende nach, haben die Clowns viele Menschen vor dem Tod gerettet, dies aber mit ihrem eigenen Leben bezahlt. 65 Jahre später gründet sich eine Band in London und gibt sich den Namen DEADLY CIRCUS FIRE. Ihre Musik ist komplex, vertrakt, undurchsichtig, melodiös, schwer, trist, aufreibend, aggressiv, direkt- So als wäre es ein Soundtrack des Aftermath vom 06.Juli 1944. Ich weiß, die VÖ der neuen Platte von DEADLY CIRCUS FIRE liegt bereits zurück und ich schulde euch eine Entschuldigung. Zur Verteidigung: Dieser Band nähert man sich nicht mal eben so. Das muss sich erstmal, wie die Story zum Namen, setzen. Man kann die Platte nicht nebenbei hören. Man muss sich ihr öffnen und sie hereinlassen. Sie muss wirken, bevor man sie in ihrer Gänze begreift. DEADLY CIRCUS FIRE brachten 2010 ihre erste EP mit dem Eigennamen raus. Sie übernahmen alle Parts der Produktion mal einfach selbst. Das erste Album kam dann 2013 raus und hört auf den Namen "The King And The Bishop". Großes bahnte sich an. Wenn bei dieser Band Vergleiche zu Tool, Dredg, Mastodon, Deftones und A Perfect Circle fallen, sind diese mehr als berechtigt. Jeder, der vorgenannte Bands mag, sollte auch DEADLY CIRCUS FIRE in den Player legen und zuhören. Sie müssen sich aber wohl dennoch auch immer wieder den Vorwurf oder das Lob anhören müssen, dass ihr Sänger dem allseits angebeteten Maynard James Keenan doch sehr ähnlich klingt. Das tut dem Schaffen von DEADLY CIRCUS FIRE aber keinen Abbruch an, im Gegenteil. Das neue Werk der vier britischen Mannen trägt den Namen "The Hydra's Tailor" und beherbergt 12 unfassbar gute Tracks, auf die ich nicht einzeln eingehen möchte oder kann. Das Werk muss als Ganzes betrachtet werden: Ein sphärischer Irrgarrten an Melodien und Rhythmen. Fiese Taktwechsel der handwerklich unglaublich guten Arbeit von Drummer Paul Igoe sind nicht selten. Harte Gitarrenriffs von Save Addario wechseln sich mit sanften Akustik-Klängen und irrwitzigen psychedelischen Soli ab. Diese ergänzen und vermischen sich mit Mike Enort´s Bassarbeit, welche immer die richtigen Akzente setzt und einen mitreißenden Klangteppich webt. Über all dem schwebt immer der umfassende, teilweise verstörende und hypnotisierende Gesang von Sänger Adam Grant. Ein unglaublich komplexes Werk, dass einem immer und immer wieder Neues offenbart. Bei jedem Durchhören! Es gibt sehr viel zu entdecken und zu erfahren. deadly_circus_fire_bandfotoFazit: Diese Band ist schon ganz groß und wird bestimmt noch größer. Ganz im Stile der Hydra. Richtig! Die war dieses Ungeheuer in der griechischen Mythologie, was bereits viele Köpfe hatte, schlug man jedoch einen davon ab, wuchsen an dieser Stelle zwei Neue. Wikipedia lehrt uns, dass die Hydra für das steht, was man nur „kleinhalten“ kann, indem man es unberührt lässt. Besser könnte man DEADLY CIRCUS FIRE im allgemeinen und ihr neues Werk "The Hydra's Tailor" nicht beschreiben. Man braucht Mut, sich DEADLY CIRCUS FIRE zu nähern - wird aber reichlich belohnt, sollte man es wagen. Das ist eine der besten Bands des Jahres. Album-VÖ: 12.06.2015 (Photo courtesy of Music Archy)