(Nuclear Blast) Seit ich das allererste Mal überhaupt in musikalischen Kontakt mit CRADLE OF FILTH gekommen bin (und das ist inzwischen 20 Jahre her), habe ich mit Spannung nicht nur die vorherigen Releases schnellstmöglich nachgekauft, sondern danach alles, was die Band aus Suffolk herausgebracht hat, konsumiert, ich will fast sagen aufgesaugt wie ein trockener Schwamm. Dabei habe ich durchaus feststellen können, dass Dani Filth und seine Mannen (und Frauen) nicht nur ein relativ unstetiges Besetzungspack sind (von den fünf Gründungsmitgliedern ist lediglich Dani Filth selbst geblieben, und neben der aktuellen 5-Personen-Besetzung haben sich inzwischen sage und schreibe 19 weitere Musiker die Klinke in die Hand gegeben), sondern auch trotz dieser vielen Umstrukturierungen enorm fleißig. Mit "Hammer Of The Witches" liegt Studioalbum 11 vor, EPs, Live-CDs, Demos etc. alles nicht mitgerechnet. Dass man in einer solch langen Zeit über so viele Alben nicht immer konstante Qualität abliefern kann, dürfte klar sein, aber immer mal wieder hat es Dani Filth geschafft, ein neues Meisterwerk abzuliefern. Nach dem Ausstieg von dem langjährigen Gitarristen Paul Allender war die Skepsis groß, in welche Kerbe wohl das neue Album schlagen würde. Bei der Entstehung von "Hammer Of The Witches" hat sich CRADLE OF FILTH stark daran orientiert, was denn wohl die Fans vom neuen Album erwarten bzw. sich wünschen würden. Das Ergebnis: CRADLE OF FILTH Anno 2015 sind melodisch, kompromisslos hart, und dabei trotzdem unglaublich eingängig. Für mich waren die bislang stärksten Scheiben der Band die frühen Werke Cruelty And The Beast sowie Midian, und hier liegt nun Album Nummer 3 vor, das ich fortan in einem Atemzug erwähnen werde, wenn es um diese Band geht. Inhaltlich haben wir es wieder einmal mit einem Konzeptalbum zu tun, das sich um den „Hexenhammer“ dreht, das Buch, das die Inquisition zur Hexenverfolgung als Leitfaden nutzte. Cradle Of Filth by Sam Scott Hunter Über den Stil der Band muss man wohl inzwischen nicht mehr philosophieren, das wäre so, als würde man versuchen, jemandem AC/DC zu beschreiben. Schneller, harter, extremer Metal, der vielfach an Blackmetal anlehnt, aber nicht wirklich nach Blackmetal klingt, maßgeblich geprägt durch den markanten Gesang von Dani Filth, der sowohl tiefe Growls, vor allem aber keifende Shouts liefert, die eine ganz eigene Metrik haben und, sofern man sich auch eingehend mit den Texten befasst, schon fast als Lyrik geltend gemacht werden könnten. Entweder, man mag das, oder man mag es nicht. Da es kaum Bands gibt, die über ein Merkmal wie den Gesang dermaßen stark polarisieren wie CRADLE OF FILTH, ist es auch schwierig, hier eine angemessene Bewertung zu geben, die jeder nachvollziehen kann. Für ihren eigenen Stil, ihre absolute Kompromisslosigkeit, sich anderen Genres anzubiedern, und die unglaublich kreative Ader, die hinter dem Gesamtkonzept dieser Band steht, erlaube ich mir aber, bei einem (in meinen Augen) derart starken Album mal wieder die Höchstnote mit Auszeichnung zu verleihen. Unglaublich gute Scheibe, die die Wartezeit bis zum Auftritt auf dem diesjährigen Wacken Open Air zur Prime Time schnell verstreichen lassen wird! Album-VÖ: 10.07.2015 (Photo by Sam Scott Hunter)