(Epitaph/ Indigo) DESAPARECIDOS ist nicht nur ein Nebenprojekt des Bright Eyes Frontmanns Conor Oberst, sondern eine Herzensangelegenheit. "Payola" ein politisches wie auch persönliches Statement einer Band, die nach 13 Jahren ihr zweites Album veröffentlicht und mit ihrer fast schon altmodisch zu nennenden Herangehensweise eines der wichtigsten und vielschichtigsten Musikwerke im alternativen Rocksektor in diesem Jahr raushaut. Mit dem Deal beim Punkgiganten Epitaph wurde die Möglichkeit geschaffen, den Vertrieb weltweit zu sichern. So bedarf es keiner Ausreden "Payola" nicht wenigstens ein Ohr zu leihen und die wunderbaren Kompositionen auf sich wirken zu lassen. 14 Lieder gilt es sich zu Gemüte zu führen, wohlige Gänsehautattacken ob der teilweise genialen Melodieführung zu ertragen und nach Anhören festzustellen, dass man viel zu selten solch ein Gefühl des Verliebtseins in Verbindung mit der Faust in der Tasche generieren konnte. "Payola" schafft dies nach dem ersten Durchlauf. Mit 'The Left Is Right' beginnt ein ambitioniertes Album, welches der Begrifflichkeit des GaragenEmoPostRocks am nächsten kommt und dabei soviel Hooklines aus der Hüfte schießt, dass man sich schon wundern kann, warum diese zwar nicht unbedingt neuen, aber doch wirksamen Melodiebögen nicht schon vorher von anderen Bands zu solchen Hits zusammengebastelt worden sind. Ob nun Erinnerungen an The Thermals heraufbeschwört werden, The Great Cynics mit ihren Hooklines Pate standen oder Against Me! um die Ecke schielen - das Beste des momentanen LoFi-Punks wird zu etwas Berauschendem, wenn Conor Oberst mit seiner wegbrechenden Stimme die Songs veredelt. Und wenn trotz der wütenden Grundhaltung auf das System und des Fingers in die Wunde legens, soviel positive Energie freigesetzt wird, muss man neidlos den Hut ziehen und kann bei zupackenden Hits wie 'Ralphy's Cut' oder dem von Laura Jane Grace (Against Me!) unterstützten 'Golden Parachutes' auf der Tanzfläche deines Vertrauens mit dem Finger in der Luft durchdrehen. Die hauptsächlich im Midtempo gehaltenen Songs überzeugen mit ihrem produktionstechnischem Understatement, die aber soviel Power aufbauen, dass man sich nach Ablauf der knapp 40 Minuten wünscht, diese perfekte Mischung aus Indiekratzbürste und MidwesternPunk würde nie enden. Desaparecidos_BlackAndWhite_Butch_01_Hires Was bleibt mir als Fazit weiter zu sagen, als dass mich dieses Album völlig unerwartet getroffen hat und mich zerstört, aber glücklich zurückgelassen hat. In der Hoffnung, dass es nicht wieder 13 Jahre dauert, bis sich DESAPARECIDOS dazu aufraffen, ihrer Wut freien Lauf zu lassen, gebe ich "Payola" 5,5 Blitze. Die Charts 2015 haben einen weiteren sicheren Kandidaten für das Album des Jahres, da sich "Payola" nicht abnutzen wird und mit jedem Hören wächst. Album-VÖ: 19.06.2015 (Photo by Butch Hires)