(F-Bomb Records/ Caroline/ Universal Music) Wenn man mit seinen musikalischen Präferenzen in den 80'ern/ frühen 90'er Jahren hängengeblieben ist und/ oder der traditionellen Glam-Rockmusik hinterhertrauert, hat man dieser Tage eigentlich nur die Wahl zwischen den Überfliegern Steel Panther, den Newcomern Santa Cruz oder Backyard Babies (die eher dem roughen Rock `N`Roll zugeneigt sind). Und dann gibt es noch BUCKCHERRY, die seit mittlerweile 16 Jahren die Fahne des dreckigen HardRock hochhalten und mit "Rock `N`Roll" dieser Tage ihr siebtes Studioalbum herausbringen. Um einfach mal die offensichtliche Floskel gleich am Anfang der Rezension loszuwerden: Der Albumtitel ist natürlich Programm! Ob es allerdings was Gutes bedeutet, versuche ich jetzt mal herauszufinden. Mit 'Bring It On Back' startet es zumindest schön rockig im Midtempo - coole Riffs, Spannung aufbauende Bridge und ein Mitgröhl-Chorus, perfekter Einsteiger und die Vorfreude auf die weiteren Songs nimmt zu. 'Tight Pants' im Anschluss überrascht mit einem Bläsereinsatz, der die Nummer etwas nach einer Las Vegas-Revue klingen lässt. Diese Leichtigkeit und positive Attitüde kennt man so nicht unbedingt von BUCKCHERRY (vgl. die Vorjahres-EP "Fuck") und man reibt sich verwundert den Gehörgang, da man nicht glauben kann, dass dies das Dreck fressende Quartett aus L.A. sein soll. Auch der dritte Song 'Wish To Carry On' enttäuscht, da hier eher die PopRock-Masche gefahren wird, die leider Gottes frappierend an Sunrise Avenue erinnert. Ok, Ausreisser bzw. Füllmaterial hat man immer zu beklagen. Ich würde auch gar nicht weiter darauf eingehen, wenn nicht das nachfolgende 'The Feeling Never Dies' ebenfalls Ekel-Attacken auslösen würde, weil ich permanent an Bon Jovi (während der letzten beiden Alben) denken müsste. Klar ist bei BUCKCHERRY der Credibility-Faktor höher und sollte ihnen zu Gute kommen, allerdings wurden schon damals von z.B. Faster Pussycat Powerballaden mit mehr Druck fabriziert. Der Albumtitel "Rock`N`Roll" mausert sich zunehmend zur Persiflage, aber noch gebe ich BUCKCHERRY nicht verloren. Das nun kommende Dreierpack 'Cradle', 'The Madness' und 'Wood' hat seine Momente - die sind jedoch so rar gesät, dass man sie nicht benennen könnte, wenn man das Album nebenbei durchlaufen lässt. Aber zu mehr ist "Rock`N`Roll" leider auch nicht gut. Musikbeschallung für die alltäglichen Dinge des Lebens, besser als Formatradio, aber zu belanglos, um seine kostbare Zeit damit aktiv zu verschwenden. Der richtige Tonträger, welchen man einem Bekannten schenkt, von dem man weiß, dass er Rockmusik mag und man nicht nur mit einem Gutschein auflaufen möchte. Tut keinem weh und man ärgert sich nicht, die CD nicht selbst behalten zu haben. Das alles ist keineswegs schlecht und man merkt der Band an, dass sie sich freispielen wollen, aber ihre neu entdeckte Leichtigkeit leider zu verkrampft produziert haben. photo courtesy of Black Mob Media Ich persönlich habe nach o.g. EP vom letzten Jahr wahrlich mehr erwartet und freute mich auf einen monströsen Abriss. Was "Rock`N`Roll" mir anbietet, ist durchschnittlicher Rock, bei dem der Pop um die Ecke linst und fast egaler nicht sein könnte. Ich habe dem neuen Output von BUCKCHERRY wirklich mehrere Chancen gegeben, dies ist kein Review, welches nach einmaligen Durchhören/-skippen entstanden ist, sondern nach intensiver Beschäftigung in den letzten Wochen. Aber genau dies macht meine Bewertung auch unterdurchschnittlicher, als wenn ich alles nur angeteasert hätte. 2,5 Blitze aufgrund der Tatsache, dass ich BUCKCHERRY im Grunde meines Herzens mag und ihnen beim musikalischen Können nichts vorzuwerfen ist - diesmal überwiegt trotzdem die Enttäuschung. Um es mit einem abgewandelten Zitat vom Anfang der Rezension zu beenden: Der Albumtitel wäre gern Programm! Album-VÖ: 21.08.2015 (Photo courtesy of Black Mob Media)