Nach zehn Jahren ist nun endgültig Schluss mit dem Serengeti-Festival. Und neben dem ein oder anderen Besucher, der hier und da eine Träne wegdrückte, weinte auch der Himmel immer mal wieder ein paar Regentropfen auf die Gäste der Abschlussparty 2015. Bevor die Festivalbesucher sich am Freitagabend zum final ROAR vor den beiden Bühnen des Festivalgeländes versammeln durften, mussten die Veranstalter nochmals bange Minuten durchleben. Eine Unwetterwarnung inkl. der Möglichkeit für Starkregen, Hagel, Sturmböen und Gewitter, sorgte bereits in den frühen Abendstunden für den Ausfall der Gigs von APOLOGIES, I HAVE NONE und JESPER MUNK. Somit wurde MASSENDEFEKT die Ehre der musikalischen Eröffnung zu Teil. Gespannt sein durfte man anschließend auch auf KETTCAR-Frontmann MARCUS WIEBUSCH, welcher derzeit immer noch auf Solopfaden wandelt, aber just an diesem Tag seinen September Gig in Hamburg mit folgenden Worten angekündigt hat: „Am 18.9. spiele ich in der Großen Freiheit - Hamburg mein letztes Konzert. Danach ist Schluss und ich breche mit einer Träne im Knopfloch aber doch stolzer Brust auf zu neuen, alten Ufern.“ - Die Spekulationen sind damit eröffnet und das KETTCAR-Comeback dürfte jetzt wohl nicht mehr all zu lange auf sich warten. Im heutigen Set findet sich mit 'Balkon Gegenüber' bereits ein KETTCAR-Klassiker. Aber vielleicht hat WIEBUSCH bei seinem Soloprojekt auch wieder den Spirit einer noch weiter zurückliegenden Vergangenheit heraufbeschworen und mit den „alten Ufern“ ist dann doch das noch stärker ersehnte ...BUT ALIVE-Comeback gemeint. DSC_4070 MAD CADDIES waren das nächste Highlight der Second Stage. Die kalifornischen Ska-Punker haben inzwischen bereits doppelt so viele Jahre wie das Serengeti auf dem Buckel und somit ist es nicht verwunderlich, dass sich immer mal wieder ein paar ältere Besucher im vorderen Bereich vor der Bühne blicken lassen. Die CADDIES liefern ein solides Set ohne große Überraschungen ab und schaffen es mit ihrem sonnenscheintauglichen Punksound nun auch, dass sich die Sonne selbst auch mal über Ostwestfalen blicken lässt. Stimmungheadliner des ersten Festivaltages sind dann eindeutig ROYAL REPUBLIC, welche das Publikum vor der Mainstage zur Festivalsportstunde bitten. Pogo, Moshpit, Hüpfen, Springen, Singen, Klatschen, Hinsetzen – anzählen – aufspringen – das komplette Repertoire wird durchlaufen. Laut Sänger Adam Grahn hat die Band soeben die Aufnahmen zu ihrem dritten Album abgeschlossen und somit sichtbar Bock, dem Studiomief zu entfliehen und endlich wieder frische Luft auf Festivalbühnen einzuatmen. DSC_4400 Es folgte die KYLE GASS BAND, welche vor allem durch ihren Bandleader, seines Zeichens 50% des Kultrockduos Tenacious D, bekannt sein dürfte. Mit den umjubelten Tenacious D Auftritten auf den großen Major Festivals kann der Auftritt allerdings nicht mithalten. Vielmehr entäuscht die ziemlich altbackene Show der Alt-Herren Rocker auf ganzer Linie. Tenacious D-Songs gibt es nicht zu hören und auch ein Michael Jackson-Medley im Mittelteil des Sets führt nicht zu sonderlich großen Begeisterungsstürmen. Und wenn KYLE GASS bei einigen Songs gar zur Flöte griff, dachte manch ein Zuschauer: Der Jethro Tull des kleinen Mannes. Headliner des ersten Festivaltages waren im Anschluss TRAILERPARK, welche sich- erwartungsgemäß - als sehr zugkräftig im Bereich der jüngeren Festivalteilnehmer zeigten, jedoch keine Relevanz in der Zielgruppe der Gestromt-Leserschaft haben dürften. Der zweite Festivaltag trumpfte dann direkt mit den MONSTERS OF LIEDERMACHING auf, welche eine feste Institution auf dem Serengeti-Festival darstellen. Die Verbundenheit zum Serengeti Festival ist sogar so groß, dass es sich die Musiker nicht haben nehmen lassen, die Bühne am Abend noch ein zweites Mal zu entern. Mit MODERN SAINTS, JOHN COFFEY, PANTEON ROCOCO und SEPULTURA folgte eine Mischung aus vielversprechenden Newcomern und Altbewährtem. Herausstechen tat am frühen Abend dann allerdings die amerikanische Band RDGLDGRN, welche es verstanden, gute Werbung in eigener Sache zu machen. Ihr wilder Mix aus Rock, Hip Hop und Go Go sorgte für ausgelassene Stimmung vor der Second Stage. Die Band wird in naher Zukunft sicherlich noch die ein oder andere Position auf den hiesigen Festivals nach oben klettern. Mit MADSEN folgte die Band für alle Fälle. Die Jungs aus dem Wendland kann man vermutlich an jedem nur denkbaren Ort auftreten lassen und es würde funktionieren. Das Publikum feierte mit Begeisterung die altbekannten Hits und auch drei neue Stücke des soeben erschienenen "Kompass"-Albums. Einziger Wehrmutstropfen blieb, dass man lediglich 45 Minuten Spielzeit für die Band im Timetable einräumen konnte. DSC_5072 Die gleiche Spielzeit, allerdings weniger Beteiligung, konnte im Anschluss DILLINGER ESCAPE PLAN aufweisen. Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass die Band gegen den einzigen Regenschauer des zweiten Tages zu kämpfen hatte und viele Zuschauer lieber den Schutz des Schirmes suchten. Mit SKINDRED enterte im Anschluss wohl die Stammband des Festivals die Hauptbühne. Wie eigentlich immer wurde es eine grandiose Party quer durch sämtliche Musikgenres. Hauptsache man konnte ordentlich bouncen. Musikalisch hochwertig wurde es dann nochmal mit AGAINST ME!. Schier unglaublich, welche Spannbreite der Sound dieser Band inzwischen einnimmt. Country, Hardcore, Folk, Punk sowie Blues- Einflüsse sind deutlich rauszuhören und dennoch bleibt das Ganze immer homogen und verdammt eingängig. Mit FÜNF STERNE DELUXE ging die Stimmungskurve leicht nach unten. Trotz einiger Nostalgie-Hits konnte der Knoten nicht platzen. Für die Hip Hop-Kids der New Generation war das Dargebotene vermutlich zu soft und die Fans von einst waren inzwischen mit ihren Kindern nach Hause gegangen. Somit kam auf die MONSTERS OF LIEDERMACHING die Herkules-Aufgabe zu, die Stimmungslatte wieder ein paar Zentimeter höher zu legen. Dies gelang dann außerordentlich gut, denn die Band hatte doch noch ein paar Hits im Köcher, welche man beim ersten Auftritt am frühen Nachmittag noch nicht verpulvert hatte. Bis vor wenigen Tagen musste man noch rätseln, welche Band der Secret Head auf dem finalen Serengeti sein sollte. Eine Woche vor dem Festival hat man sich dann doch noch dazu durchgerungen, die H-BLOCKX doch vorher bekannt zu geben. Natürlich gehört die Band irgendwie zu dem Festival, war bei der Premiere dabei und dieses Jahr dann auch bereits zum fünften Mal. Somit konnte man dem Head durchaus seine Berechtigung zusprechen. Der Auftritt war dann aber leider etwas lahm und konnte nicht an die Stimmungen bei MADSEN, ROYAL REPUBLIC oder SKINDRED anknüpfen. DSC_6014 Am letzten Festivaltag sorgten dann die 257ERS, trotz eher bescheidenem Wetter, für ein weiteres Stimmungshoch. Respekt, das die Jungs noch so viel Energie bei einem drei Tage alten und durchnässten Publikum freisetzen konnten. COHEED AND CAMBRIA spielten in Folge einen ihrer exklusiven Auftritte und zauberten den Fans der Bands kurz vorm Toreschluss ein derbes Grinsen in die Visage. Die Band tourt zur Zeit vor allem mit dem Songmaterial von "In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3", welches großartige Perlen enthält. Die Band spielte auch an diesem Abend große Teile des Albums und überzeugte auf ganzer Linie. BAD RELIGION und MOOP MAMA boten im Anschluss solide Kost, bevor mit THE OFFSPRING die letzte Band des Serengeti-Festivals die Bühne betrat. Im Gegensatz zur letztjährigen Tour, welche ganz im Zeichen des Bandklassikers "Smash" stand, kamen hier vor allem die Fans von "Americana" auf ihre Kosten. Mit 'Self Esteem' schloss sich dann endgültig der Vorhang des Serengeti-Festivals – wohl leider für immer. (Photos by Mark Haake)