( Reprise Records) Vier Jahre Pause. Aber endlich rumpelts in Chicago wieder: DISTURBED hauen ihr sechstes Studioalbum mit dem unendlichen Namen "Immortalized" raus. Die Band selbst spricht bei "Immortalized" von einem Neuanfang, einer Rückbesinnung, einem Befreiungsschlag: “We wanted to return when we collectively had that fire underneath us. We missed it so much that we could tap into this energy and deliver the right album. We did it on our own terms.”. Wow! Das ist mal eine Ansage. Meine Erwartungen sind nun nicht gerade niedrig, die Spannung steigt…mein Finger drückt die Play-Taste. 12 Songs angeführt von einem kurzen Intro warten darauf, von dem geneigten Metalhead verschlungen zu werden. Dann merke ich schon, wie die Realität hinter mir auftaucht und ihren Mantel über mich wirft. Beim gleichnamigen Song 'Immortalized' merke ich schnell, dass hier wie gewohnt auf hohem Niveau geliefert wird. Das ist aber nicht negativ zu verstehen, im Gegenteil! Die treue DISTURBED-Fan wird sich sofort in "Immortalized" reinfinden, neue Fans wiederum ggf. zu Anfang Probleme haben, die Alben auseinander zu halten. Aber da sind wir wieder einmal an einem Punkt, an dem wir so oft sind. Wenn Bands jahrelang ihrer Linie treu bleiben, sagen viele, es wären keine Ideen da, kein Mut, keine Innovation. Macht eine Band genau dies, sagen mindestens genau so viele, dass das überhaupt nicht ginge. Sie fragen sich, was passiert sei, ob die Band den Kritikern etwas beweisen wolle usw. DISTURBED scheinen sich um keinerlei dieser Aussagen zu scheren. Sie ziehen ihr Ding durch und dafür muss man ihnen Tribut zollen. Konstant wird seit den Neunzigern eine nach der anderen Qualitätsplatte auf den Markt gebracht, die vielleicht nie das (DISTURBED)-Rad neu erfindet, aber dennoch immer zu überzeugen weiß. Wer das als Langeweile empfindet, mag mehr Kritiker als Fan sein. Jeder, wie er mag. Die Jungs wissen aber einfach was sie tun, da passt alles zusammen. Alles funktioniert wie ein (Metal)Uhrwerk. Sie sind wie ein bester Freund, auf den man sich einfach immer und immer wieder verlassen kann. Disturbed 2015 (Travis Shinn 041715_0656)Höhepunkte von "Immortalized" sind die aktuelle Single, das mächtige und sowas auf den Punkt ballernde 'The Vengeful One', das treibende 'Never Wrong' sowie der Metal-Allrounder 'What Are You Waiting For' der einfach alles hat. Und was höre ich da? Die melodiösen Klänge am Anfang von 'The Light' erinnern stark einen einen guten Modern-Rock Song, welcher gegen Mitte dann in einen klassichen DISTURBED-Song umschlägt. Gefällt mir richtig gut! Einen Song hätte ich, selbst bei dieser brachialen Gesangsleistung von David Draiman nicht gebraucht, und zwar ein Simon And Garfunkel-Cover von 'The Sound of Silence', aber nun gut. Geschenkt! Alles in allem passt hier alles. Fazit: DISTURBED bleiben mit "Immortalized" DISTURBED und das ist auch fucking gut so. Gitarrist Dan Donegan sagt selbst zum neuen Werk: „Musically, it’s got that old school metal sound. It's definitely DISTURBED!“ Recht hat er. Die einen werden da „leider“ sagen, die anderen „zum Glück“. Ich sage: „zum Glück“ und drücke direkt wieder Play! Album-VÖ: 21.08.2015 (Photo by Travis Shinn)