(PIAS) Je länger eine Bandgeschichte andauert, desto mehr Möglichkeiten bieten Vergleiche zu allem was bisher geschah. Die britische Band EDITORS hat, trotz zuletzt einiger interner Neubesetzungen, mittlerweile eine ganz beachtliche Zeitspanne hinter sich. Mit in "In Dream" veröffentlichen sie nun ihr fünftes Studio-Album. Tom Smith, der wie ein in der ersten Reihe sitzender, mit dem Finger schnipsender Streber agiert, wenn es um die Thematik Liebeskummer geht, ist dabei das Aushängeschild des ganzen Unterfangens. Seine fehlende Stimme à la Ian Curtis macht jeden EDITORS-Song zu einem Exempel an Melancholie und feinster Weltschmerz-Ästhetik. Nach den ersten drei elektronischen Alben folgte 2013 der Rock-Ausreißer "The Weight Of Your Love". Und nun also doch wieder elektronischer, nur diesmal mit neuem Slogan. Hohepriester Smith glaubt nämlich fest daran, dass Musik beides sein kann, poppig und experimentell. Eine gewagte These, die nach dem hymenartigen Stadionrock fast wie Blasphemie gilt. Allein die Arbeit mit dem Künstler Rahi Razvani, der sowohl beim Artwork als auch bei den Videos absolute Gestaltungsfreiheit hatte, erlaubt schließlich nicht, dass in der Musik auch nur ein Hauch von Experiment mitschwingt. Fakt ist, dass "In Dream" weitaus kühler, dunkler und noch elektronischer ist, als die Vorgänger. Große poppige Hymen lassen sich noch immer finden, wie beispielsweise 'Ocean Of Night', 'Salvation' oder 'Marching Orders'. Aber dennoch schleichen sich auch bei den EDITORS langsam leisere Töne ein. Das Duett 'The Law' mit Rachel Goswell oder auch die erste Singleauskopplung 'No Harm' sind drastischer und cleaner. Es wirkt gerade so, als sei das sonst vermittelte Hochgefühl von kühlen New Wave-Pop und dunklen Synthies-Sound erdrückt worden. EDITORS(c)RAHI REZVANI 2015Ist das nun der große Entwicklungsschub, nach dem kleinen Ausflug in Richtung U2-Rock einfach ganz entspannt zurück zu seinen Wurzel zu kehren und dies nur als neue Verbindung von Experimentellem und Pop zu betiteln?! Klingt nicht gerade innovativ. Und doch gestalten sich die Songs auf "In Dream" anders als erwartet. Irgendwie doch abstrakter. Anlehnend an Kompositionen der 80er Jahre New Wave-Bewegung. Nur fehlt in letzter Konsequenz eine gewisse Art von Purismus. Tom Smith ist absolut nicht in der Lage, seine Gefühle zu beherrschen oder gar zu unterdrücken. Leidenschaft kommt schließlich von Leid. Das Smith leidet, spürt man in jeder einzelnen Pore der Lieder. Und dennoch wirkt "In Dream" gesetzter. Zumindest auf instrumentaler Ebene scheinen die zehn Songs kontrollierter, nicht mehr absolut übermannend. Auf textlicher Ebene ist jedoch im Vergleich zu den vorangegangenen Alben eins geblieben: Herzschmerz. Album-VÖ: 02.10.2015 (Photo by Rahi Razvani)