(Big Scary Monsters) Ich gebe ja zu, dass dies auch so eine Art Selbstversuch ist, wenn ich hier ein Instrumental-Album bespreche. Immerhin hab ich früher selbst Metallica's Meisterwerk 'Orion' weiter geskipped (Banause!). Instrumental-Musik fordert dann doch eine andere Art des Hörens, weniger ein Zuhören und viel mehr ein „sich darauf einlassen“. Metal/Rock Alben ohne diesen Fixstern „Sänger“ am Riff-Firmament erscheinen schnell langweilig, wenn man sich nicht die entsprechende Mühe gibt, sie sich zu erarbeiten. Und schnell haben sie dann den Stempel weg, nur was für Nerds zu sein. Mag sein, ging mir auch häufig so. CASPIAN gehören sicherlich zu den ganz Großen im Postrock / Instrumental - Bereich und haben ein fantastisches Gespür dafür, wie sich Songstrukturen fesselnd aufbauen lassen, wie sich die Gitarrenspuren-Layer verdichten lassen, dass sie am Ende ein ganzes Großes sind und klingen, als würde ein ganzes Philharmonie-Orchester spielen. Ohne Sänger muss man weniger Rücksicht nehmen auf so Banalitäten wie Strophen und Chorus. Und auch wenn man sich im Post-Metal dem klassischen Intro-Strophe-Bridge-Strophe-Chorus - Repeat - Scheme ebenfalls schon sehr lange entledigt hat, sind die Aufgaben im reinen Instrumental-Bereich doch andere. Bands wie Pelican schaffen Spannung durch präzises Riffing und eine gnadenlose Drums-Bass Rythmussektion. CASPIAN sind zwar nicht ruhiger, aber auf "Dust And Diquiet" noch vielschichtiger als auf den früheren drei Alben. Die Songs gehen teilweise fast unmerklich ineinander über, bilden ein feste Einheit. Wie Kapitel eines Buches sind sie Teile einer durchgehenden Geschichte, die im finalen Titelsong auf den unausweichlichen Höhepunkt zustrebt. Dem ganzen Album unterliegt eine unglaubliche Traurigkeit. caspian_2015_KLEIN_marclemoine_projectionDer Verlust von Bassist Chris Friedrich vor zwei Jahren kurz nach der Veröffentlichung vom Vorgänger-Album "Waking Season" ist omnipräsent in der Stimmung von "Dust And Disquiet". Wenn sie dann wie bei 'Run Dry' die Akkustik-Gitarren auspacken und tatsächlich richtige Gesanglinien singen, dann passt das genauso gut ins Gesamtbild, wie die x-te Gitarrenspur oder Klavier-Sequenzen. Den ein oder anderen Postrock - Fan wird das vielleicht stören, sollte es aber nicht. Wer, wie ich, sich Instrumental-Bands bislang eher verweigert hat, sollte trotzdem unbedingt mal reinhören und kann ganz andere, faszinierende Klangwelten entdecken. Album-VÖ: 25.09.2015 (Photo by Marclemoine Projection)