(Fearless Records/ Rough Trade) Die aus dem sonnigen Florida stammenden MAYDAY PARADE haben sich dazu hinreissen lassen, ein neues Album auf den Markt zu schmeissen. Dieses trägt den Titel "Black Lines" und ist mittlerweile auch schon die fünfte Studioarbeit innerhalb der 10-jährigen Bandhistorie. Aber wo wollen die als PopPunker gestarteten MAYDAY PARADE hin? Es gab immer den melancholischen Unterbau in ihren Kompositionen, man ist allerdings auch älter geworden, wollte Entwicklung in die Chose reinbringen und mauserte sich zunehmend zu einer songorientierten Herangehensweise, wobei der Partyfaktor nur noch teilweise bedient wurde/wird. Angefangen mit der regelmäßigen Teilnahme an der Warped Tour, werden heutzutage auch "ernstere" Festivals bespielt, wobei dort ein Slot am frühen Nachmittag vermutlich das höchste der Gefühle sein wird. Nun aber zu "Black Lines". 'One Of Them Will Destroy The Other' ist ein spannender Start in das Album, welches Lust auf mehr macht. Mit Anleihen an Thursday und einem tollen Songaufbau, der dich mitnimmt und in die Welt von MAYDAY PARADE reinzieht. So kann's ruhig weitergehen. Überraschung gelungen. Auch das nachfolgende 'Just Out Of Reach' geht in eine ähnliche Richtung - der PopPunk wird komplett ignoriert und der Track etwickelt eine Intensität, die dich atemlos zurücklässt...mit Pianogeklimmper fadet der Song aus und 'Hollow' übernimmt das Ruder. Die Vergangenheit von MAYDAY PARADE macht einem neuen Anspruch Platz, der alte Fans vermutlich verschrecken wird, aber neue Interessierte auf den Plan rufen wird. Denn das ist bis hierher ein unglaublich fesselndes Aufeinandertreffen von progressiven Punkelementen in Verbindung mit hymnischen PostCore der frühen 2000er Jahre. Es folgt eine Art Halbballade ('Letting Go'), die sehr IndieRock infiziert daherkommt und an Nada Surf u.ä. erinnert. Ist irgendwie okay, hätte es aber auch nicht unbedingt gebraucht, da etwas der Schwung ausgebremst wird, den MAYDAY PARADE mit dem Trio zu Beginn von "Black Lines" sukzessiv aufgebaut haben. Persönliche Bemerkung: das Review hätte zur Veröffentlichung eigentlich längst fertig sein sollen. Ich habe aufgrund Zeitproblemen die Deadline aber nicht einhalten können - was sich nun im Nachhinein aber als Glücksfall herausstellt, da ich vor einigen Wochen vermutlich einen Verriss abgeliefert hätte, da meine Erwartungshaltung an dem neuen Album eine gänzlich andere war. Durch die tage-bzw. wochenlange Beschäftigung mit "Black Lines" hat sich das Meinungsbild aber komplett gedreht, da ich nun die Feinheiten erkenne, das Gesamtkonzept verstehe und meinen Respekt zollen muss, vor dem Mut und der Zeit den MAYDAY PARADE investiert haben, um ein Album zu formen, welches nicht dem Massengeschmack oder gar der Zielgruppe zusagt. Mayday_Parade_Press_JW_305_bwWenn man Songs wie 'Keep In Mind, Transmogrification' oder 'All On Me' intensiv hört, entdeckt man Feinheiten, die im Gesamtkontext funktionieren und "Black Lines" nicht als Songansammlung versteht, sondern als Kunstwerk im Sinne von Arbeit, Innovation und Kreativität. Mit Kunst muss sich proaktiv beschäftigt weren, um einen Zugang zu finden. Hat bei mir auch länger gedauert, aber nun ziehe ich meinen imaginären Hut. 🙂 Im letzten Viertel sackt "Black Lines" leider etwas ab, da das uninspirierte 'Look Up And See Infintiy, Look Do' als auch 'One Of Us' mit seinem seichten Unterton die Wertung für ein fast perfektes Album zunichte macht. Aber es bleiben 4,5 Blitze übrig, welches die Verdopplung der Punktevergabe bedeutet als wenn ich vor einigen Wochen bewertet hätte. Hier trifft die Floskel definitiv zu, dass es mit "dem mehrmaligen Hören wächst". Album-VÖ: 09.10.2015 (Photo by JW/courtesy of Fearless Records)