(Destiny Records/ Broken Silence) Mit ihrem mittlerweile sechsten Album macht sich das italienische Gewissen namens TALCO wieder auf, alles anzuprangern, was es anzuprangern lohnt. Dafür ist "Punk Chanka", welches eine TALCO-ische Genreerfindung ist, auch perfekt geeignet. Partisanenparty und politischer SkaPunkRock. Da ich dem Italienisch leider nicht mächtig bin, vertraue ich der Info, die mir mitteilt, dass TALCO in ihren Texten auf den politischen, ethischen und moralischen Zerfall ihres Heimatlandes aufmerksam machen will - was aber vermutlich in Zeiten wie diesen auch auf alle europäischen Länder ausgeweitet werden darf. Wer sich mit der Materie intensiver beschäftigen möchte, dem sei das Begleitbuch gleichen Titels empfohlen, in dem Bandleader Dema ausführlicher die Hintergrundinfos jedes einzelnen Songs beleuchtet und erklärt und das Ganze als Roman umgesetzt, welches das Konzept von "Silent Town" erweitert. So, nun aber Fokus legen auf die musikalische Umsetzung von "Silent Town" und den enthaltenen 12 Songs. Ohne große Umschweife oder Sperenzchen überfällt einen der Einsteiger 'II Tempo' und zeigt, wohin in Reise geht. Klar werden Skaelemente eingesetzt und der druckvolle Unterbau mit straighten PunkRock Gitarren verspricht einiges. Man spürt förmlich die Dringlichkeit im Vortrag, wenn im Chorus die gesamte Band das Uptempo-Geschoss formvollendet. Aber um erst keine Missverständnisse oder Zweifel aufkommen zu lassen, ballern TALCO auch bei fortlaufender Spielzeit gut durch. Große Pausen zum Durchatmen bleiben einem nicht. Das reisst einen entweder durchgängig mit oder kann die Aufmerksamkeitsspanne unterbrechen, da die Bläsereinsätze sehr gleichförmig für das ungeübte Ohr klingen mögen. 'Neverdad' schafft es trotz einer Laufzeit von nur knapp zwei Minuten, die Gefahr von Eintönigkeit zu umgehen, in dem zwischendurch das Tempo für die Strophen gedrückt wird, um im Refrain wieder anzuziehen. Das macht Spass, skanken und durchdrehen in Reinkultur. Auch das nachfolgende 'El Sombra' hält sich erst gar nicht auf mit langweiligen Introgeschichten, sondern bläst einem von Anfang an die Ohrmuschel sauber. Hier ist der tolle Gesang von Frontmann Dema das besondere Merkmal, welches dem Song einen Wiedererkennungswert gibt. Mit sich fast überschlagender, aber immer kontrollierter Stimme wächst der Song, in dem auch die Bläsersektion eine feine Melodie beisteuert. Eingestreute "Whoooaa-Ohhhh"-Chöre runden den hitverdächtigen Track perfekt ab. Und so geht es auch munter weiter - die Bläsersektion hat gut zu tun, die Melodien und teilweise echt catchy Refrains werten "Silent Town" immens auf. In dem Genre des SkaPunks ist es schwer, Innovationen umzusetzen und wenn, dann auch eher punktuell. TALCO haben aber ein Händchen, um ihren Wiedererkennungswert in die Höhe zu schrauben, was nicht nur daran liegt, dass sämtliche Texte auf Italienisch vorgetragen werden. Wer ein Faible für Up-Tempo PunkRock mit Trompetenunterstützung hat, ist bei TALCO gut aufgehoben, was aber auch kein unbedingtes Geheimnis mehr ist. TALCO ist aber eher was für Menschen, die z.B. den Voodoo Glow Skulls als Less Than Jake zugetan sind - oder, um es auf die deutsche Szene zu übertragen: Das ist was für Freunde von The Prosecution und nicht unbedingt von Sondaschule (obwohl....). Talco_Band_Photo courtesy of Destiny RecordsKurzweilige Sommermusik im Herbst. TALCO machen mit "Silent Town" viel richtig, allerdings ohne den nötigen Punch, um extraordinär hervorzustechen. 4 Blitze haben die Südeuropäer locker verdient. Und live funktioniert die Melange aus PunkRock und Blasinstrumenten eh am Besten. Deswegen - ab zur Tour der Jungs!
TALCO - Silent Town - Tour 2016
Support: The Prosecution
18.03. DE - Lindau - Club Vaudeville
19.03. DE - Wiesbaden - Schlachthof
01.04. DE - Hamburg - Fabrik
02.04. DE - Berlin - SO36
07.04. CH - Zürich - Dynamo
08.04. DE - Stuttgart,LKA
09.04. CZ - Prag - Rock Café
14.04. AT - Wien - Arena
15.04. DE - München - Backstage
16.04. DE - Köln - Underground
Album-VÖ: 06.11.2015 (Photo courtesy of Destiny Records/Sparta Photography)