(Svart Records) Als JESS AND THE ANCIENT ONES vor Jahren auf der Bildfläche auftauchten, war der Female-fronted-Occult-Retro-Rock ja so ziemlich das Ding der Stunde. Jex Toth, The Devil’s Blood, Blood Ceremony … eine Armada an Bands, die trotzdem gut nebeneinader existieren konnten. Jede hatte ihren eigenen Sound. Und so fanden auch JESS AND THE ANCIENT ONES ihre Nische und zählten ruckzuck zur Speerspitze der Bewegung. Auf der im letzten Jahr veröffentlichten "Castaneda"-EP deutete sich ja bereits an, dass die mittlerweile zum Sextett geschrumpften Finnen ihren Sound noch weiter gen Psych- und Surf-Rock erweitern wollten. Dies ist auf dem nun vorliegenden Album "The Second Psychedelic Coming: The Aquarius Tapes" definitiv der Fall. Mal ganz smooth und relaxt, dann wieder geradlinig rockig oder auch jam-artig und improvisierend. JESS AND THE ANCIENT ONES decken ein breites Spektrum an Sounds ab. Also Freiheit, die Überwindung von Grenzen, Erleuchtung … Charakteristika des bereits im Titel erwähnten Zeitalter des Wassermannes. Highlight des Albums ist das Songduo bestehend aus 'In Levitating Secret Dreams' und 'The Equinox Death Trip'. Ersteres ist ein Ode an den "Entdecker" des LSD, Albert Hoffmann. Mit seinen twangigen Gitarren und dem relaxten Rhythmus wird der Hochzeit des LSD-Konsums musikalisch Tribut gezollt. Das folgende 'The Equinox Death Trip' ist deutlich länger, komplexer und düsterer. Beide zusammen zeigen toll das Panorama des Bandsounds. Also alles tiptop, dicke Punkte, Kandidat für die "Top in 2015"-Liste? Leider nicht. Bei den ersten Durchläufen war ich sogar richtiggehend enttäuscht, das Album hat erst nach vier bis fünf Durchläufen begonnen, zu zünden. Restlos überzeugt hat es mich allerdings immer noch nicht. Einige Songs plätschern zu beliebig aus den Boxen, der Gesang ist auch nicht immer mitreissend und diese "gruselige Kirmesorgel"-Sache wird für mich deutlich überstrapaziert. jatao-by_Jarkko_PietarinenFans der Band sollte das natürlich nicht schrecken, "The Second Psychedelic Coming: The Aquarius Tapes" eine Chance zu geben. Wer die Band noch nicht kennt, dem sei zu Einstieg eher zur wirklich grandiosen Vorgänger-EP geraten. Album-VÖ: 11.12.2015 (Photo by Jarkko Pietalinen)