(Century Media Records/ Sony Music) Wie schon im vergangenen Jahr mit dem Album "Currents" von Atlas Losing Grip, welches in der ersten Januarwoche erschien, beginnt auch 2016 mit einem PunkRock/HardCore-Paukenschlag: IGNITE melden sich nach 10-jähriger Schaffenspause zurück, welche nur durch sporadische Auftritte unterbrochen wurde, wobei man den ein oder anderen Song schon mal auf Livetauglichkeit geprüft hat und den nach neuem Material lechzenden Fans den Mund wässerig gemacht hat, auf die Dinge die da kommen sollten. Gut Ding will Weil haben und so kann die MelodicHardCore-Institution IGNITE endlich Vollzug melden und hat mit "A War Against You" ein pickepacke volles Album in der Pipeline, welches alle Trademarks vereint, die man über eine Dekade vermisst hat. Um soviel vorweg zu verraten: Man darf nun keine großen Innovationssprünge erwarten - wenn der Schritt Richtung Weiterentwicklung gewagt wurde, dann fallen Begriffe wie Stadion-Rock oder Pop-Appeal. Keine Angst, die fast schon überperfekte Produktion von Mastermind Cameron Webb (u.a. Motörhead, Pennywise, Strung Out) tilgt zwar jegliche Liveatmosphäre, schafft es aber trotzdem mit einem warmen, natürlichen Sound, die Vorzüge des IGNITEischen Songwritings zur Geltung kommen zu lassen. 'Begin Again' stellt den befriedigenden Eröffnungssong dar, der offensiv ein 13-Song starkes Album einläutet und das Gaspedal über die gesamt Laufzeit gut durchgedrückt hält. Klar sind auch einige Midtempo-Stücke auf "A War Against You" enthalten ('Alive' oder 'Oh No Not Again' seien als Beispiele genannt), welche aber den Flow nicht mindern. Zoli Teglas (der Klaus Meine des HardCore) überzeugt stimmlich auf ganzer Linie und macht Liedgut mit Namen 'Nothing Can Stop Me' oder 'This Is A War' zu wahren Gänsehautmomenten. Textlich bewegt sich Ganze wie üblich mit der Auseinandersetzung des globalen Geschehens und es ist leider eine traurige und frustrierende Tatsache, dass sich innerhalb der letzten Jahrzehnte nichts wesentlich gebessert hat (Kriege, Refugees, Globalisierung). IGNITE legen die geballte Faust in die offene Wunde. Die Annährung an die ähnlich gelagerten Rise Against wird deutlich bei Tracks der Marke 'Rise Up' und/oder 'You Saved Me' - die Hooklines bestimmen das Soundbild, die Backgroundchöre sitzen wie eine Eins. 'Descend' gegen Ende bricht die gewohnte Struktur etwas auf und überrascht mit getragenem Chorus, dem eine gewisse Melancholie innewohnt. Geht schon beim ersten Hören mächtig unter die Haut. Abschließend wird mit 'Work' doch noch so etwas wie eine Ballade rausgeholt, die aber durch ihre Eindringlichkeit mehr Power transportiert als so manche MetalCore-Truppe. Und obacht: Um den Spannungsaufbau auch nach 'Work' etwas hochzuhalten, wird das gern genommene Klischee des HiddenTracks wiederbelebt. Zoli & Band knallen einem noch einen varitablen PunkRock-Hit in ungarischer Sprache vor den Latz, der sich in das positive Gesamtbild perfekt einfügt. Ignite_by_Joe_Foster Welcome back, IGNITE! "A War Against You" ist zwar ein neues Album voller neuer Kompositionen, aber schon nach dem ersten Reinhören ist klar, dass sich so wahre Freundschaft als musikalische Umsetzung anhören und -fühlen muss: Man hat sich lange nicht gesehen, ein wenig aus den Augen verloren, ist aber immer interessiert gewesen, was der gute Freund eigentlich macht. Man trifft sich wieder und merkt: Egal was die letzten Jahre war und wie man sich das Leben gestaltet hat - es ist dieser Augenblick des Wiedersehens, der alle Emotionen vereint - man umarmt sich und hat sich soviel zu erzählen. Das ist IGNITE mit "A War Against You" geglückt. Danke. Erste Höchstwertung des Jahres. 🙂 6 von 6 Blitzen! Album-VÖ: 08.01.2016 (Photo by Joe Foster)