(Destiny Records/ Broken Silence) 12 Jahre sind seit dem letzten Studioalbum "Fundamental" ins Land gezogen - und nach einer längeren Schaffenspause (Auflösung kann man das Ganze ja nicht nennen) fühlen sich TERRORGRUPPE berufen, ihre Synthese aus Punk, Pop und Ska-Elementen auf "Tiergarten" einem Härtetest namens Gestromt-Rezension zu unterziehen. Das Genre-Kunstwort Aggropop (copyright by TERRORGRUPPE) passt weiterhin sehr gut zu den 14 vorliegenden Songs - soviel sei verraten. Wer seit über 20 Jahren im Geschäft ist und internationale Plattenverträge (u.a. mit dem PunkRock Giganten Epitaph) vorzuweisen hatte, kann sich schon Legende schimpfen. TERRORGRUPPE als stumpfe Deutschpunk-Truppe zu deklarieren, wäre natürlich komplett falsch, da sie viele Einflüsse geltend machen und in ihren Kompositionen verbraten. So etwas wie Altersmilde kann man TERRORGRUPPE nicht attestieren, soviel steht nach der letztjährigen Winter-Clubtour definitiv fest. Mit "Tiergarten" soll die wiedergewonnene Spielfreude auch auf Platte transportiert werden. Der Einsteiger 'Blutbürger' knallt mit ordentlichen Orgeleinsatz sofort gut los und ist nach unter zwei Minuten auch schon wieder abgefrühstückt. Ein Opener der Laune macht und trotz textlicher Abrechnung mit den besorgten Bürgern die Endorphinausschüttung ankurbelt. So darf es gerne weitergehen. 'Schlechtmensch' nimmt sich tempomässig etwas zurück und beackert thematisch ebenfalls die linke Sichtweise der unsäglichen Pegida/AFD-Heerscharen, die mit ihren Stammtischparolen und unreflektieren Verhalten und Aussagen einen Hass schüren, der dem konservativen BILD-Leser gut in den Kram passt. Selbst wenn bei der TERRORGRUPPE heutzutage musikalisch keine Preise abgeholt werden - es tut gut, die charmant-ironischen Texte mit einem gewissen soziakritischen Ansatz zu hören und zu merken, dass man nicht allein ist. Willkommen zurück, TERRORGRUPPE. Da bei einer Rezension aber auch die Musik subjektiv bewertet werden soll, muss man konstatieren, dass es nicht weiter auffällt, dass die Berliner fast eine Dekade pausiert haben, da sich kompositorisch nicht viel geändert hat. Alte Fans dürften sich schnell wieder zurechtfinden und der Einstieg für die Jugend von heute wird einfach gemacht. Ein Ansatz an Neuerung, der mir persönlich allerdings relativ schnell auf die Nüsse geht, ist der schon oben erwähnte Einsatz einer Orgel, die etwas überkandidelt wirkt und so manch schnörkellosen Song ungewollt ausbremst. Als ich "Tiergarten" das erste Mal vor einigen Wochen hören durfte, war ich tief enttäuscht ob der Belanglosigkeit, die ich dachte herauszuhören. Allerdings schaffen es TERRORGRUPPE, ein Album zu bauen, welches mit jedem Hören wächst und meine anfängliche Ablehnung drehte sich in Richtung kontrollierte Begeisterung. Ein absoluter Hit ist der Titelsong, der mir trotz eigentlich deprimierenden Text jedesmal ein Lächeln abringt und den Bewegungsapparat von alleine startet. Ein Totalausfall wie 'Mitfahrzentrale ins Glück' sei verziehen, da mit 'Schmetterling' ein perfekter Gegenentwurf zu verzeichnen ist. Und es sind diese egalen Songs, die Lieder mit Potenzial noch schöner glänzen lassen.
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Photo by Philipp Virus

Mit Punkrock hat das musikalisch nicht mehr allzu viel zu tun, aber die Einstellung stimmt. TERRORGRUPPE machen das, was sie für richtig halten, lassen sich nicht bevormunden. Hauen mit ihren ironischen Texten dorthin wo es wehtut. Von meiner anfangs gedachten durchschnittlichen Bewertung, die ich vor einigen Wochen vergeben hätte, bin ich mittlerweile abgerückt und muss sagen, dass ich (trotz teilweiser ekliger Orgel) etwas umgeschwenkt bin und "Tiergarten" 4,5 Blitze schenken möchte. Album-VÖ: 15.01.2016 4.5-Blitz