(Relapse Records) Intensität. Hört man im Zusammenhang mit Musik ja oft. Jede drittklassige Kirmes-Metalcombo wird im Promosheet vollmundig als "intensives Hörerlebnis" angepriesen. Aber wirklich intensive Musik, Musik die den Hörer wirklich berührt und bewegt … da wird es dann plötzlich ganz dünne. AGORAPHOBIC NOSEBLEED um Mastermind Scott Hull waren schon immer sauhart und extrem. Drumcomputer-Grind. Hysterisch. Brutal. Aber intensiv? Wirklich berührt haben sie mich nie. Bis jetzt. Bis "Arc". "Arc" ist die erste von insgesamt vier EPs, auf denen sich die Band jedes Mal neu erfindet. Und zwar immer aus der Sicht eines anderen Bandmitglieds. Den Anfang macht Sängerin Kat und verpasst gemeinsam mit Songwriting-Partner Hull AGORAPHOBIC NOSEBLEED einen völlig anderen Sound als gewohnt. Lässt sie nach Sumpf klingen. Groovig. Schwer. Und ich meine wirklich schwer. Als hätten Sabbath nach den Aufnahmen zu "Master Of Reality" ihr Equipment nicht abgebaut und Skynyrd damit eine Jam-Session veranstaltet. Und dann die Bänder in halber Geschwindigkeit abgespielt. Nix mehr Grindcore, Powerviolence, Math oder was auch immer. Dafür perfekter, schwüler, tonnenschwerer Südstaaten-Sound. Besser haben Down oder Crowbar es auch nicht hinbekommen.
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Photo by Josh Sisk

Aber nicht genug damit, dass der Sound mich schon komplett planiert hat. In den Texten verarbeitet Sängerin Kat den Tod ihrer Mutter durch Krebs und die Zeit, die sie ihre Mutter zuhause gepflegt hat. Und plötzlich wird klar, warum der Gesang auf dem ohnehin monströs groovenden 'Deathbed' Trauer und Wut förmlich greifbar macht. Warum die Stimme bei 'Not A Daughter' derart verzweifelt klingt. Und warum im Zusammenhang mit "Arc" die Bezeichnung "intensiv" ausnahmsweise einmal passend ist. Jede Zeile, jedes Wort, jedes Riff und jeder Ton ein Schlag mit dem Vorschlaghammer. Mit der Geschichte zu den Songs im Hintergrund mag es seltsam und vielleicht unangebracht klingen: aber AGORAPHOBIC NOSEBLEED klingen auf "Arc" einfach perfekt und ich wäre nicht böse drum, wenn die Band diesen Sound weiter verfolgen würde. Fans der früheren Alben werden vermutlich enttäuscht sein, für mich ist "Arc" aber einer der überraschenden und frühen Höhepunkte des Jahres. Album-VÖ: 22.01.2016 6-Blitz