(Music Agents/ Cargo Records) Die lokale Szene gehört supportet bzw. verdient eine gewisse Aufmerksamkeit. Sich mit Bands zu beschäftigen, die PR-technisch noch nicht so präsent sind, erhöht die Chance, kleine Perlen zu entdecken, die mit ein bisschen Glück und Durchhaltevermögen ihren Undergroundstatus verlassen könnten, um mittelfristig mehr Menschen zu erreichen, als es im abgedunkelten Proberaum jemals möglich wäre. AUDIOCIRCUS aus der niedersächsischen Landeshauptstadt haben bewegte Zeiten hinter sich. Nun wurde aber das perfekte Line-Up gefunden und man war sich schnell einig, die Öffentlichkeit an den neuen Kompositionen teilhaben zu lassen. Das Ergebnis heisst "The Haze", ist ein Mittelding aus EP und einem regulären Album und beinhaltet 8 Songs. Das Ganze ist auf hohem Niveau von Florentin Adolf (u.a. Frames, Bury Your Dreams) produziert worden, baut extrem viel Dynamik auf, lässt dem Können der Musiker aber genug Luft zum Atmen, so dass eine Atmosphäre entsteht, die den selbstauferlegten Druck dahingehend kanalisiert, dass sich die Power und Spielfreude fast eins zu eins auf den Hörer überträgt. Als kleines Highlight kann angemerkt werden, dass zwei Songs auf "The Haze" live im Studio ohne jegliche Overdubs eingespielt worden sind und aufzeigen, was man live (siehe Tourdates unten) zukünftig erwarten darf. Zur Musik. AUDIOCIRCUS zocken eine Art Mainstream-Rock, der gut in das Programm eines US-Formatradios passen könnte, wenn da nicht auch Sänger Kenny wäre, der durch seine soulige Stimme und seinem angenehm warmen Timbre, die unspektakulären Songs aufwertet und AUDIOCIRCUS ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal mitgibt. Der Opener 'I Wonder' erinnert mich etwas an Skunk Anansie, hat eine ruhige Melodieführung in den Strophen, um im Chorus auszubrechen. Ein gelungenes Gitarrensolo später kann man konstatieren, dass der Hit von "The Haze" quasi schon feststeht. Etwas antiquiert wirkt das nachfolgende 'Living My Confessions', dem etwas der Punch fehlt und leider nur irgendwie dahinplätschert. Trotz allem haben AUDIOCIRCUS ein Händchen für catchy Melodien und die Hooklines sind schon gut gesetzt. Der Titeltrack baut im Refrain ebenfalls einen mächtigen (für Mainstream-Verhältnisse) Wall-Of-Sound auf. Kenny kann seinem Talent hier gerecht werden, wobei ich mich desöfteren dabei erwische, den Sänger von Living Colour, Corey Clover vor mir zu sehen, da hier schon einige Ähnlichkeiten erkennbar sind. Mit 'Say You Don't Love Me' und 'Pictures' flacht die Veröffentlichung in meinen Augen leider etwas ab und dümpelt vor sich hin, da hier der Eindruck entsteht, Füllmaterial zu hören, welches man B-Seiten von Matchbox Twenty oder Daughtry entliehen haben könnte. Und eine Bemerkung am Rande: Songs, die ausfaden sind so was von 90er, Jungs! 🙂 Im Anschluss folgen die oben erwähnten Liveaufnahmen ('Hell' & 'Being Alone'), die aufzeigen, dass AUDIOCIRCUS auch ohne die Perfektion einer glattpolierten Produktion gut dastehen und abliefern können. 'Being Alone' ist durch die etwas rauhere Vocalarbeit und dem zum Ende angezogenen Tempo ebenfalls ein Kandidat für die Radio-Rocksendungen. Ein kleines Rock-Monster namens 'The Beast And It's Mic' mit einer Laufzeit von 1:20 Minuten setzt den Schlussakt.
Audio Circus by Isabelle Hannemann

Photo by Isabelle Hannemann

Eine Bewertung ist mir selten so schwer gefallen. AUDIOCIRCUS überzeugen mit ihrer professionellen Hingabe zur Musik, setzen überraschende Akzente und teilweise bemerkenswertes Songwriting. Allerdings sind da auch diese tausendmal gehörten und durchgenudelten Parts, die bei den langsameren Songs eine Schläfrigkeit ausstrahlen, die den Fluss von "The Haze" empfindlich entgegenwirken. Dann sind auf der anderen Seite die vereinzelten Rocksongs, die ohne großen Firlefanz auf den Punkt kommen. Etwas mehr Mut zur Lücke, Emotionen nicht durch die klinische Studioarbeit ausmerzen, sondern einfach mehr Spannungsmomente erzeugen...dann wäre "The Haze" sogar ganz okay. Hier ist eindeutig Luft nach oben und AUDIOCIRCUS setzen hoffentlich zukünftig mehr auf den Rockfaktor und werden sich nicht dem Mainstream unterwerfen. Toudates AUDIOCIRCUS: 28.01. // Hamburg - BeLaMi Bergedorf 30.01. // Hameln - K3 05.02. // Offenburg - Spitalkeller 12.02. // Leverkusen - Topos 13.02. // Unna - Lindenbrauerei Album-VÖ: 29.01.2016 2.5-Blitz