(Arctic Rodeo Recordings/ Broken Silence) Frankreich und alternativer Rock oder Punkrock ist ein stiefmütterlich behandeltes Thema, was auch daran liegen mag, dass trotz der Größe des Landes unterdurchschnittlich viele Bands in diesen Genres zuhause sind. Klar, da gab es Noir Dèsir mit ihrem herzergreifenden Alternative-Rock und im Punkrock-Sektor Uncommonmenfrommars oder Burning Heads - das war's aber auch im Großen und Ganzen. DARIA stammen aus Angers und halten die Fahne des EmoRocks der 90er fest in ihren Händen. Seit über zehn Jahren existiert die Band, die den Gedanken des DIY weiterführt. Platten und Tourneen werden auf eigene Faust finanziert und es wurde sich ein gewisser Status erspielt, so dass auch  Produzent J.Robbins (Jawbox, Jawbreaker, Against Me!) aufmerksam wurde und die Jungs in sein Studio nach Baltimore einlud, um das vorliegende Album "Impossible Colours" einzuspielen. Kurz die Eckdaten: 12 Songs, die vom deutschen Liebhaber-Label Arctic Rodeo Recordings zugänglich gemacht werden. Der Einstieg 'Past/Simple' macht es einem nicht ganz einfach, da ein Chorus, an dem man sich orientieren könnte, fehlt und die verbalen Wiederholungen noch nicht so packend sind, als das man eine Sogwirkung merken könnte. Was allerdings sehr positiv auffällt und sich auch im nachfolgenden 'Margins' bestätigt, ist die angenehm warme, intensive und dunkle Stimme des Sängers, die die Songs fast alleine tragen kann. Mit 'February' hält dann zum ersten Mal sowas wie Catchyness Einzug und die leichten Rhythmus-Dissonanzen entpuppen sich als willkommende Aufwertung im Aufbau der Songstruktur. Dies zählt nicht nur für eben genannten Song, sondern wird als Wiedererkennungsmerkmal desöferen von DARIA in den Kompositionen verbaut. 'A Quiet Anarchy' beinhaltet Elemente von freshen BritRock und hätte auch auf das Debütalbum von Franz Ferdinand gepasst. Der Titelsong wiederum hat einen ruhigen Aufbau und steigert sich zum Finale zu sich überlagernden Gitarrenparts. Dann folgt auf einmal mit 'A Tired Hand' ein wahrer PostRock-Diskurs über knapp 8 Minuten, der auch Fans von Explosions In The Sky gefallen dürfte. Die bisherige Besprechung bezog sich auf die erste Hälfte von "Impossible Colours" und genau so spannend, fordernd und anspruchsvoll werden auch die restlichen Tracks auf den geneigten Zuhörer losgelassen. 'The Ghost in The Machine' hat einen einnehmenden Zug und ist aufgrund der straighten Herangehensweise der heimliche Hit des Albums. DARIA machen Musik aus einem Idealismus heraus, der beeindruckt. "Impossible Colours" wird nicht jedem gefallen und möchte dies augenscheinlich auch nicht. Der selbstgesteckte Anspruch wird an den Konsumenten weitergegeben, wobei das Wort Konsument bei DARIA gleichbedeutend mit Entdecker ist. Der Wille, sich von teils schrägen Tönen nicht abzuwenden, sondern dahinter die Schönheit des Gesamten zu erforschen, ist die beste Voraussetzung, um sich DARIA und ihrem Schaffen anzunähern.
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Photo courtesy of Oktober Promotion

Wer den emotionalen PostRock von Hey Mercedes, The Promise Ring, Pop Unknown oder Burning Airlines vermisst und bisher keine aktuelle Entsprechung gefunden hat: Daaaa-da - DARIA könnten diesen Platz ausfüllen! Ich finde "Impossible Colours" spannend und gelungen, dennoch kein Album für die Ewigkeit. Aber für die ruhigen Stunden mit Kopfhörer auf dem Sofa, in denen man sich von DARIA berauschen lassen und zu sich finden kann. 4-Blitz Album-VÖ: 29.01.2016