(AFM Records) Die EMIL BULLS aus München sind mir seit gut 10 Jahren ein Begriff, da ich damals in der Fachoberschule eine Mitschülerin hatte, welche ganz versessen nach den Mannen war und ihren Körper auch auf ewig mit der Band schmückte. Da sie die einzige Mitschülerin war, welcher ich Musikgeschmack nachsagen konnte, gab auch ich der Truppe mal ein Ohr und fand sie nicht schlecht, aber auch nicht all zu aufregend. Seinerzeit zählte ich noch Three Days Grace, Papa Roach und Staind zu meinen Lieblingsbands und suchte nach mehr Material in dieser Richtung, wodurch die EMIL BULLS vorerst wieder einige Jahre von meinem akustischen Radar verschwanden, bis sie dann Ende 2011 zu ihrem Album “Oceanic“ den M.A.U Club in Rostock (zusammen mit Mayfield, deren Album “III“ ich damals auch rezensierte), bespielten. So schön und idyllisch Rostock und sein Umland auch sein mögen – die guten Rock und Metal-Acts, die man dort über das Jahr zu sehen bekommt, lassen sich an einer Hand abzählen. Dass dann auch noch zwei Bands, mit dessen neuesten Werken man vertraut ist, gleichzeitig vor die Bühne laden, grenzt schon an ein Wunder. Ich war also vor Ort und erlebte eine gute Show und griff sogar noch einen recht enormen, neon-grünen Sticker ab, welcher seither auf meinem Whisky-Schrank verweilt. Dennoch schafften es die Münchener noch immer nicht, sich fortlaufend in meinem Gehörgang festzusetzen und wieder verschwanden sie von meinem Radar. Bis heute! Denn plötzlich war dort wieder dieser allmählich alt vertraute Name – EMIL BULLS. Die neueste Scheibe "XX", welche am 29. Januar zum 20. jährigen Bandjubiläum erscheint und 15 bekannte Songs in ein völlig neues Gewand – die sogenannten Candlelight-Versionen - gepackt beinhaltet, wollte rezensiert werden. Ich, der gerade frisch und nach vorangegangenen acht schönen Jahren in Rostock nach Berlin übergesiedelt ist, musste mich wieder an das Konzert im M.A.U Club und meine Zeit an der Fachoberschule erinnern. Melancholie und ein Schwall weiterer wohliger Emotionen durchströmten mich. Ich hatte Bock auf die Rezension und lauschte so manches Mal "XX", während ich durch die mir noch unbekannten Straßen pilgerte. Wieder durchdrangen mich etliche Emotionen, ausgelöst durch die wunderschönen Melodien, welche das Album bietet. Ein großartiger Song folgt hier auf den nächsten und erzeugt ein so stimmiges Gefüge, dass man denkt, die Songs gehören genau so eingespielt.
EM_XX_P01_by_Katja_Münch

Photo by Katja Münch

Letztlich bleibt mir über die Platte nur zu sagen, dass den EMIL BULLS nach diesem grandiosen Jubiläumsalbum meine Aufmerksamkeit für den nächsten Output sicher ist – so schnell lassen die Münchener meinen Gehörgang nicht wieder los. Letztlich könnte ich noch einräumen, dass "XX", hätte man sich auf 10 anstelle von 15 Songs beschränkt, im Gesamtbild noch ein stückweit homogener ausgefallen wäre. Doch das ist Nörgeln auf hohem Niveau! Wer mit dem Werdegang der BULLS vertraut ist und ihr Schaffen liebt, wird auch die aufwendig  umarrangierten Candlelight-Stücke mit großer Wahrscheinlichkeit mögen. All denjenigen, die die BULLS dann doch lieber altbewährt bevorzugen, sei der Griff zur Digipak-Version des Albums empfohlen. Dieses beinhaltet noch eine Bonus-Disc, welche die Songs im Original enthält. Wer die Band bisher noch nicht oder kaum kennt, erhält mit "XX" also den perfekten Einstieg und sollte diesem in jedem Fall einen Durchlauf gewähren - ganz starke Nummer! Album-VÖ: 29.01.2016 5-Blitz