(Out of Line Music) OST+FRONT sind definitiv die Durchstarter der NDH-Szene. Erst Ende des letzten Jahrzehnts gegründet und Anfang des aktuellen bekannter geworden, stiegen sie schon mit ihrem zweiten Album "Olympia" auf Platz 25 der Charts ein. Sicherlich wird die musikalische Nähe zu Rammstein da ein bisschen behilflich gewesen sein, daher wurden sie zu Anfang auch als simple Kopie belächelt. Aber diese Band ist einfach viel mehr, wie sie nun mit ihrem dritten Studioalbum "Ultra" beweisen. Schon beim Opener 'Sternenkinder' denkt man vielleicht erstmal durch Hermann Ostfronts Stimme an Rammstein, aber das Lied ist auch ein sehr melodischer Einstieg und musikalisch nicht sehr hart, sondern eher sehr eingängig. Fast anmutig kommt es im Gesamtbild daher, welches sehr gut zum Text passt. Wer es dann doch gerne schneller mag, wird mit 'Bruderherz' gut bedient, bei dem auch schnell deutlich wird, dass OST+FRONT in ihrer Musik große Teile Gothic-Metal mit einweben. Diese Schnelligkeit ist man von anderen Vertretern der NDH-Bewegung nicht unbedingt gewohnt. Mit 'Fiesta de Sexo' steht ein wirklicher Ausnahmetrack des Albums an. Dieser ist nämlich komplett in Spanisch gehalten und bringt gewisse sonnige Rythmen mit. Der Text ist dabei absolut nicht jugendfrei und das Gesamtkonstrukt geht sofort ins Ohr. Die Reise in ferne Länder geht mit 'Afrika' dann ohne Pause weiter, welches für weitere musikalische Abwechslung sorgt, die direkt ins Blut übergeht. Die Rückkehr nach Deutschland wird dann über die 'Moldau' angetreten und ist ganz gefällig, kann aber nicht besonders hervorstechen. 'Krüppel' verarbeitet sicherlich ein wichtiges Thema und passt somit perfekt ins NDH-Korsett. Und ja, auch hier werden wieder Parallelen zu einer bestimmten anderen deutschen Band überdeutlich. Bei 'Suizid' handelt es sich um eine Ballade, die sehr klassich daherkommt. Sie wird fast komplett alleine vom Cello getragen, welches vom Gastmusikanten b.Deutung eingespielt wurde. Durch den harten an der Seele knabbernden Text ist hier ein wahres Meisterstück entstanden, welches aber auch Provokation in Reinkultur ist. Die Industrial-Einflüsse sind bei 'Fick Dich' nicht zu überhören, aber mal ehrlich, solche Texte ist man doch von Industrial-Bands ohne Ende gewohnt. OST+FRONT lassen sich dabei aber nicht auf deren oft stumpfes Niveau hinunter, sondern umschreiben alles sehr blumig. So wie es sich für eine NDH-Band einfach gehört und damit ist der Song ein Volltreffer. 'Volksmusik' mit seinen 80er Jahre-Synthiesounds gefällt sicherlich nicht jedem, trifft bei mir aber voll ins Schwarze. 'Blitzkrieg' macht seinem Namen mit schnellen und harten Riffs alle Ehre. Bei 'Nein' schleppt sich alles ein bisschen zu sehr und wirkliche Höhepunkte hat es nicht zu bieten. Eine Power-Ballade verbirgt sich hinter 'Klassenkampf' und damit wird letztendlich klar, dass "Ultra" zwar deutlich abwechslungsreicher ist als seine Vorgänger, aber auch eine ganze Ecke ruhiger. Dies trifft auch auf das Finale des Albums mit 'Siebenbaum' zu. Das Stück ist zwar ganz gefällig, aber zum Abschluss hätte ich mir lieber noch mal einen härteren Knaller gewünscht.
Photo by KerstinWappler

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Wer sich für die Deluxe-Edition mit Bonus CD entschieden hat, für den geht es nun mit 'Triebwerk' weiter. Mehr als ein nettes Extra ist aber auch dieser Song nicht. Das deutlich schnellere 'Wasser Marsch' weiß da schon mehr zu gefallen. Am besten ist aber 'MNSTR', genau so sollte in meinen Augen ein Album enden, mit einem Knall. Die Orchesterversion von 'Sternenkinder', die Instrumentalversion von 'Klassenkampf' und das 'Bitte Schlag Mich'-Cover von Stimmgewalt runden dann die Bonus CD ab. Mit "Ultra" legen OST+FRONT ihr bisher ausgereiftestes und abwechslungreichstes Album vor. An der ein oder anderen Stelle mangelt es vielleicht ein bisschen an härteren Songs, aber insgesamt kann das Album überzeugen. Vor allem weil die Texte inzwischen deutlich besser und anspruchsvoller geworden sind. Dazu wagen sie sich nun immer mehr mit verschiedenen Stilmitteln rumzuspielen. Daher kann ich diese CD einem jeden Interessenten ohne schlechtes Gewissen ans Herz legen. VÖ-Datum: 22.01.2016 5-Blitz