(Uncle M Music/ Cargo Records) BLACKOUT PROBLEMS hörte und sah ich das erste Mal bei der 2014er Auflage des leider eingestellten Monster Bash Festivals. Dort hatten sie einen Supportslot im Zuge eines Wettbewerbs gewonnen und durften Mittags als eine der ersten Bands auftreten. Schon damals war ich ob der songwriterischen Qualitäten und der zupackenden Melodien, eingebettet in frischen emotionalen PunkRock, geflasht. Nun hat sich das umtriebige Münsteraner Label Uncle M Music dem Trio aus München angenommen und veröffentlicht dieser Tage das Debütalbum "Holy". Mit 13 Songs gespickt, kann die Reise beginnen. Mit 'One' geht es ungewöhnlich fordernd los. Die Leichtigkeit eines typischen Openers, um das Album zu öffnen, geht diesem Track komplett ab, so dass der geneigte Zuhörer sich sofort im konzentrierten Modus befindet, damit sich die emotionale Wucht auch bewusst entfalten kann. Fast übergangslos folgt 'Of Us', der ein weiteres Trademark von BLACKOUT PROBLEMS etabliert - der Wechselgesang zwischen Bassist Marcus und Gitarrist Mario. Die Fokussierung auf den Song merkt man jeder einzelnen Note an und der offene und zugleich einladene Sound macht es dem Genrekenner einfach, in den Kosmos von Punk- und Postrock mit einem Schuss EmoCore einzutauchen. Weiter im Text: 'We Are Free' hat einen leichten Shoegazer-Einschlag, der die musikalische Sozialisation der Jungs nochmals aufwertet, da in ihrem Erstlingswerk Einflüsse eingearbeitet werden, die man selten in solcher Qualität bei "neuen" Bands erwarten kann. Die komplette Adelung folgt bei dem catchy EmoPunk-Kracher 'Boys Without Home', der keinen geringeren als Nathan Gray (Boysetsfire) featured. Natürlich wäre der Song auch ohne Zutun von Herrn Gray hitverdächtig - so wird aber die verdiente Aufmerksamkeit generiert, die BLACKOUT PROBLEMS verdient haben. Sind es die notwendigen Verschnaufpausen ('Step Up'), das Rüberblinzeln zum Pop inkl. Klavier ('The National'), die Gainesville-Attitüde von 'Black Coffee'  oder die Title Fight/Balance And Compusure-Anlehnung bei 'Into The Wild', welches "Holy" so spannend macht? Oder sind BLACKOUT PROBLEMS durch ihr sympathisches Auftreten, ihr in Musik gemeißeltes Herzblut für die Sache einfach unangreifbar? Wer eine fast sechsminütige Wall-Of-Sound als Abschlusssong auswählt und diesen strukturell so dermassen aufregend und ergreifend darbietet, gehört zu den Guten. 'Poets Of Protest' schließt ein überzeugendes, gefühlsbetontes und vielschichtiges Werk perfekt ab.
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Photo by Ilkay Karakurt

"Holy" ist kein Album, welches sofort im Gehörgang hängenbleibt, es will entdeckt werden. Und wenn man sich darauf einlassen kann, wird man mit Melodien belohnt, die sich tief im Unterbewusstsein verankern, um sich regelmäßig Richtung Temporallappen zu bewegen (Gehirnzentrum für u.a. Bewusstwerdung/Erkennen) und dort dafür sorgen, dass man trotz Alltagsstress und innerem Druck die Ausschüttung von Glückshormonen erlebt.   Album-VÖ: 05.02.2016 5-Blitz