(Universal)

Vor gar nicht allzu langer Zeit schrieb ich im Beitrag zur Jubiläums-Edition des WOLFMOTHER Debüts: „Das seit zehn Jahren nichts Relevantes hinterherkam, lässt schlimmes befürchten, was den weiteren Werdegang dieser Band angeht.“ Mit "Victorious" wischen WOLFMOTHER nun alle Bedenken vom Tisch.

"Victorious" ist gelungen, ohne Frage. Jedoch macht die Band WOLFMOTHER scheinbar auf diesem Album eine Transformation durch, welche Bands wie Mumford and Sons oder auch die Kings of Leon mit ihrer Hinwendung zum Mainstream bereits vollzogen haben. Klar, irgendwie ist das zwar alles immer noch „Retro Rock“ und hier und da hört man auch die Einflüsse raus, welche bereits das WOLFMOTHER-Debüt Werk zu einem Klassiker der jüngeren Rockgeschichte gemacht haben, aber eine gewisse Verkrampftheit und der unbedingte Wille zum Hit sind nicht von der Hand zu weisen.

Dabei sollte man auf jeden Fall nicht aus den Augen verlieren, das WOLFMOTHER eigentlich keine Band sind bzw. ist, sondern die One-Man-Show des Andrew Stockdale. Schließlich wird auch mal die komplette Bandbesetzung zwischen zwei Alben ausgetauscht oder der egozentrische Bandchef Stockdale spielt mal eben die Bassparts für das neue Album selber ein, weil er sich für einen besseren Bassisten als den ursprünglichen Band-Bassist Ian Peres hält. Auch das Songwriting ist auf "Victorious" reine Chefsache geblieben. Orientiert an den Bandklassikern 'Woman' oder 'Joker And The Thief' schüttelt Stockdale hier scheinbar mühelos eine ganze Handvoll neuer Hits aus dem Ärmel. „Für mich ist so etwas leicht. Es liegt in meiner Natur. Der Schuh passt mir – und ich sollte eigentlich viel mehr davon machen. Wahrscheinlich ist das einfach mein Ding“ erteilt Stockdale gerne Selbstauskunft.

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Photo courtesy of Universal

Nach den ersten Hördurchgängen lassen sich die Songs 'The Love That You Give', 'Pretty Peggy', 'Baroness', 'Gipsy Caravan' und der Titeltrack 'Victorious' eindeutig in die von Stockdale selbst aufgemachte Schublade „Hits“ einordnen. Der Sound kommt gut, die Riffs sitzen, Drums und teilweise Orgel werden stets energetisch eingesetzt und bilden gemeinsam ein überaus stimmiges Gesamtbild. Im Langzeittest werden wohl möglich nicht die genannten Hits das Album definieren, sondern die Songs aus der zweiten Reihe, welche teilweise recht interessant aufgebaut sind. Vor allem der Abschlusssong der Platte 'Eye Of The Beholder', kommt als äußerst stimmiger Black Sabbath-Klon um die Ecke.

Auf jeden Fall gelingt mit "Victorious" die Rückkehr zum großen Sound, wie es Stockdale nicht müde wird in der Promotionphase zum Album immer wieder zu betonen: „Wir wollten zurück zu diesem großen Sound mit einer guten Balance zwischen einer Garage-artigen Energie und einer satten Produktion. Das Album ist wild, energiegeladen und genau richtig für große Festivalbühnen”. Mit diesem Statment bringt er es eigentlich auf den Punkt. Das Album hat in meinen Ohren zudem keine Ausfälle und wenn man WOLFMOTHER hier überhaupt etwas vorwerfen kann, dann ist es höchstens die Kopie ihrer bzw. seiner selbst. Aber Retro Rock und Innovation gehen auch schlecht zusammen.

Album-VÖ: 19.02.2016

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