(Fat Wreck/ Edel) 25 Jahre FACE TO FACE, 25 Jahre kalifornischer Punkrock, der mich und viele andere geprägt hat. Und als wenn es nicht schon genug Grund zum Feiern gibt, veröffentlichen FACE TO FACE mit "Protection" auch noch ihr zehntes Studioalbum. Um die Erwartungshaltung und die Vorfreude noch höher zu schrauben, kehren die Männer um Trever Keith in den Schoß der Fat Wreck Chords-Familie zurück. Und einen Teil des Fazits muss ich vor das eigentliche Review der Platte stellen: So frisch und druckvoll haben FACE TO FACE die letzten Jahre nicht geklungen und es tut gut, die Jungs mit voller Spielfreude wiederzuentdecken. Wobei entdecken nicht das richtige Synonym ist, für das Aufflammen neuer Hoffnung und neuer Liebe zum authentischen Punkrock der alten Schule, der melodieverliebt nach vorne geht, die nötige Abwechslung bietet und bei dem nicht die Gefahr besteht, dass die alten Herren dies nicht auch live (z.B. beim diesjährigen Groezrock) auf den Punkt abliefern könnten. 'Bent But Not Broken' eröffnet den 11 Song starken Reigen perfekt und zeigt gleich mal den zahlreichen Nachahmern (Millencolin seien mal stellvertretend genannt) wie man innerhalb zweieinhalb Minuten den Schuss Melancholie mit "Sonne aus dem Arsch" Attitüde verschmelzen lässt und dies ebenfalls in den Nachfolgesong 'I Won't say I'm Sorry' transportiert. Das Grinsen hat auch keine Chance aus dem Gesicht zu verschwinden, weil im Anschluss die erste Albumauskopplung 'Double Crossed' ohne großen Firlefanz übernimmt und die Uptempo-Fahne ebenso hochhält, wie es 'See If I Care' tut. Die hier genannten ersten vier Songs haben so viel Dynamik und Catchyness in sich, dass man das enttäuschende 2013er Album "Three Chords And A Half Truth" als Versuch zu den Akten legen darf, in den Adult-Heartfelt-Rock der Marke Social Distortion vorzustoßen und neue Klientel zu generieren. Spätestens bei den Background-Chören vom Titelsong 'Protection' und der unnachahmlichen Gesangsleistung von Trevor Keith ist man froh, dass sich FACE TO FACE der alten Stärke bewusst geworden sind und dem dankbaren Zielpublikum (welches auch mitgealtert ist, aber trotz Familie und anderer Prioritätensetzung weiterhin Bock auf Cali-Punk hat) ein Album um die Ohren haut, welches den Spagat zwischen Ernsthaftigkeit (textlich) und Ausgelassenheit (musikalisch) grandios kombiniert und einen atemlos zurücklässt. Strukturell ist der Aufbau der Songs teils frappierend ähnlich, allerdings stört mich das nicht im Geringsten. Jeder Track steht für sich, kann aber auch im Konzept begriffen werden - mal hat man Bock auf eine Kurzgeschichte, mal muss ein Roman herhalten. FACE TO FACE bedienen den Fan, ohne sich unglaubwürdig zu machen.
face_to_face_Photo_courtesy_of_FatWreck

Photo courtesy of Fat Wreck Chords

Klar wird das Rad nicht neu erfunden, aber wer das im Punkrock mit seinen begrenzten Mitteln noch erwartet, dem kann eh nicht mehr geholfen werden. PunkRock darf Spass machen, PunkRock darf unterhalten - und wenn FACE TO FACE eines können, ist das PunkRock! Eine von Herzen kommende 5 Sterne Bewertung geht einher mit meiner persönlichen Begeisterung für "Protection" und der riesigen Vorfreude, die neuen Songs im Pit mitzusingen. Album-VÖ: 04.03.2016 5-Blitz