(Vertigo/Universal) Und da ist es nun, dass lang erwartete dritte Studiowerk der Schweden von ROYAL REPUBLIC. Satte vier Jahre sind schon wieder seit dem letzten Album vergangen und nun liegt mit "Weekend Man" endlich neuer Stoff für die Ohren vor. Nachdem "Save the Nation" damals ja eher gespalten aufgenommen wurde, da es nicht mehr so stumpf und unterhaltsam wie der Vorgänger war, meinten viele, es gehe nun wieder zurück zu den Anfängen. Soviel vorweg, dass ist natürlich Quatsch. DIe Mannen haben sich nochmal deutlich weiter entwickelt und die Musik ist noch eine Ecke anspruchsvoller geworden. Textmäßig bleibt aber alles wie gehabt und hier sollte man keine Wunder erwarten. Also kann die wilde Fahrt ja losgehen. 'Here I Come (There You Go)' gehört mit gut dreieinhalb Minuten auch schon mit zu den längsten Stücken. Die Gitarrenarbeit ist dabei typisch für die Band und bringt einen somit gleich in gewohnte und geliebte Soundgefilde zurück. Zwar kein Ohrwurmpotential, aber ein gelungener Start. Richtig schön flach kommt dann 'Walk!' daher und das soll keine Beleidigung sein. Ganz im Gegenteil, für solches Material liebt man die Band ja. 'When I See You Dance With Another' ist nun schon unlängst als Download erhältlich gewesen und den meisten Fans dementsprechend auch bekannt. Ein klein bisschen überraschend kommt dann 'People Say That I'm Over The Top' daher, ein wenig härter und aggressiver als das gewohnte Material und damit durchaus gelungen. Anspruchsvoller wird es mit 'Kung Fu Lovin'', welches musikalisch sehr abwechslungsreich ausgefallen ist und einen gewissen 80er Jahre Party Charme hat. Zeit für den Titeltrack 'Weekend-Man', bei dem es mir etwas an Pepp mangelt. Hat etwas von früheren Songs, ohne aber an deren Qualität heranzureichen. Huch, sind das grade Dave Grohl und seine Foo Fighters? Nö, es ist 'My Way', welches sich aber auch ohne Probleme auf einem Album der gerade genannten Band verstecken könnte. Eine absolut gelungene Überraschung und mit genau so einer geht es auch weiter. 'Follow The Sun' habe ich den Jungs nämlich in keinster Weise zugetraut und ist damit auch mein Lied des Albums. Adams Stimme ist kaum wiederzuerkennen und agiert deutlich langsamer und eine Nummer tiefer. Dazu tolles Gitarrenspiel und fertig ist der Top Hit, welcher mir übrigens schon auf dem Konzert in Hannover im November außerordentlich gut gefallen hat. Genauso erging es mir übrigens auch mit 'Uh Huh', mit knapp zwei Minuten genauso kurz, wie der Text flach ist. Aber einfach verdammt eingängig und die dahingerotzten Uh Huhs sind einfach herrlich. Und wo ich schon von Abwechslung gesprochen habe, hat hier irgendwer Britpop auf dem Album erwartet? Ich auch nicht, aber wir kriegen es trotzdem in der Form von 'Any Given Sunday'. Muss man sich definitiv erstmal dran gewöhnen, aber irgendwann wird man seinen Spaß damit haben. Klassisch kommt dann wieder 'Baby' aus den Boxen und lässt einen wieder das Tanzbein schwingen. So und nun ist der Zeitpunkt gekommen, denn mit 'High Times' kann ich persönlich herzlichst wenig anfangen. Musikalisch einfach deutlich zu eintönig und der ständig gebrüllte Titel des Songs geht mir gehörig auf die Eier. Wer die reguläre Version gekauft hat, kriegt mit 'American Dream' schon den letzten Song spendiert. Wieder ein langsamerer Song, in dem sogar im Hintergrund "Uhlala" gesungen wird. Auch hier spüre ich wieder gewisse Foo Fighters-Vibes, finde den Song aber als letzten Track sehr schwach platziert. Daher lieber zur Deluxe Version greifen, da geht es nämlich jetzt mit 'Getting Along' deutlich schneller weiter und ich bin überzeugt, dass man dazu live 'ne ordentliche Party starten kann. Voll auf die Zwölf gibt es dann zum Abschluss nochmal mit 'Playball'. Ein düsteres und schweres Lied, dem die bekannte Leichtigkeit fehlt, aber welches genau deswegen so gut zu gefallen weiß.
Photo by Eric Weiss

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Mit "Save The Nation" versuchten ROYAL REPUBLIC damals ihr Konzept (jeder Song ein Mitgröhlhit) etwas anspruchsvoller zu machen. Die Idee ging nur beschränkt auf, viele Lieder waren sehr gut, andere wirkten wie einfache Kopien des Vorgängeralbums "We Are The Royal". Daher wirkt "Weekend Man" fast komplett wie von einer anderen Band geschrieben. Anstatt demselben Stil ständig treu zu bleiben, wird hier experimentiert, bis die Boxen glühen. Adam und seine Jungs überraschen hier von Song zu Song immer wieder aufs Neue. Schade nur, dass gerade in der ersten Hälfte viele Songs nicht so ganz zünden wollen. Dafür gibt es hinten raus viele positive Überraschungen zu bestaunen. Da ich den Großteil bereits im November live hören durfte, kann ich aber schon sagen, live schlagen die Lieder deutlich besser ein. Insgesamt ist das Phänomen ROYAL REPUBLIC eh nur zu erfassen, wenn man die Jungs mal live gesehen hat. So handelt es sich hierbei nicht um das beste Album der Schweden, aber trotzdem ein sehr gelungenes Stück Rockmusik, bei dem die Lieder, aufgrund der geringen Spielzeit, so schnell nicht langweilig werden. Anspieltipps: 'Follow The Sun', 'Uh Huh' Album-VÖ: 26.02.2016 4.5-Blitz