Auch die Jungs von der wunderbaren Indierockband HERRENMAGAZIN sind inzwischen schon so lange dabei, dass man es sich erlauben kann, eine Pause auf unbestimmte Zeit einzulegen. Für die Fans sicherlich schade, für jeden der die Strapazen des Tourlebens kennt, auf jeden Fall verständlich. Eine der (vorläufigen) Abschiedsvorstellungen von HERRENMAGAZIN fand in der Kleinen Freiheit in Osnabrück statt.

HERRENMAGAZIN hatten zum Abschied geladen und die Kleine Freiheit war an diesem Abend gut gefüllt. Und das, obwohl König Fußball mit der Europa League ein zugkräftiges Konkurrenzangebot auf die Beine gestellt hatte. Als Support hatten die Hamburger bei diesem Gig den ebenfalls aus Hamburg stammenden Pop-Pianisten ALBRECHT SCHRADER dabei. Der redselige Pianist glänzte immer wieder mit lustigen Anekdoten und messerscharfen Ansagen. Auch wenn die Musik, in ihrer Livedarbietung, zumindest nicht meinen Geschmack getroffen hat und sicherlich auch im Gestromt-Kosmos eher weniger Anhänger haben dürfte, muss man dem Mann für seine Poesie hohen Respekt zollen. Interessante Gesellschaftsbeobachtungen und Anekdoten vom "Leben in der Großstadt", wie auch die bald erscheinende EP des Künstlers heißt, bringen einen abwechselnd zum Schmunzeln und zum Nachdenken. Nach dem kurzen Aufwärmprogramm ist es dann auch schon sehr bald Zeit für HERRENMAGAZIN, die gemeinsam mit ALBRECHT SCHRADER die Bühne betreten. Der Pianist sollte die Band nämlich während ihres Gigs mit seinem Piano und einer zusätzlichen Gitarre unterstützen. Vor allem bei den etwas ruhiger angelegten Songs, welche bereits auf Platte auch mal mit Klavier daherkommen, bedeutete das diesen Abend einen Mehrwert, den man nicht missen möchte.

Darüber hinaus lassen sich HERRENMAGAZIN auch bei der Setlist nicht lumpen und präsentieren ein astreines Best of Set, welches sich an allen vier Studioalben und sogar den EPs bedient. Das Publikum verfolgt den Gig recht aufmerksam und einige Fans beweisen unglaublich gutes Textverständnis, indem sie viele Songs lückenlos mit intonieren können. Nach dem ersten Drittel der Show wird es dann erstmals nostalgisch, als Deniz Jaspersen sein Schnapsglas hebt und von der Bühne dem Publikum zuprostet: „Dies ist eine der letzten HERRENMAGAZIN Shows für einen längeren Zeitraum, danke das ihr dabei seid“. Tja, damit ist es dann wohl auch offiziell und die Romantik in den Köpfen der Konzertbesucher gewichen. Diese romantische Vorstellung, dass wenn man nur laut genug den Mannen auf der Bühne zujubelt, dass sie es sich dann nochmal überlegen mit dieser – P A U S E.

Aber für weiteres Trübsal bleibt keine Zeit und die Band sprintet weiter durch ihr Best Of. Am Ende stehen über zwanzig Lieder zu Buche und die letzten Klänge HERRENMAGAZIN bestehen mit 'Keine Angst' aus dem perfekten Rausschmeißer-Song für solch einen Abend:

Na toll: Es geht nach Hause Kannst du dich wirklich darauf freuen? All diese Gedanken wirst du irgendwann bereuen Ich bringe die Hoffnung jetzt zu Ende Ich nehm alles mit nach Haus Und zieh mir heute Abend die ganzen Splitter raus

Farwell, HERRENMAGAZIN.

Photos by Marc Erdbrügger