(Roadrunner Records) In meinem letzten geistigen Entwurf zu KILLSWITCH ENGAGE und ihrem Vorgängeralbum "Disarm The Descent" teilte ich anstandslos mit, dass das Album grandios sei, dass Jesse Leach ein starker Sänger und Schreihals ist, dass aber mutmaßlich Howard Jones die Sachen besser gemacht hätte mit der Fragestellung, ob dann auch ein solches Album entstanden wäre. Irgendwie hatte ich KILLSWITCH ENGAGE insgesamt gar nicht mehr so wirklich auf dem Schirm. "Incarnate" belehrt mich aber wieder einmal eines Besseren, nämlich, dass die Band sehr wohl noch da ist, und auch, dass sie auch mit Jesse Leach ganz vorne mitspielen können (und dies ohnehin schon lange tun). "Incarnate" ist quasi "Alive Or Just Breathing" 2.0, aber ohne 'My Last Serenade'… Im Vorfeld gab es ja schon 'Strength Of The Mind' zu hören. Auch wenn dies bei weitem nicht der stärkste Song von der Scheibe ist, so ist er doch wegweisend dafür, was euch auf "Incarnate" erwartet: KILLSWITCH ENGAGE machen das, was sie von jeher am besten können: groovige, teilweise schnelle Songs, ab und an eine etwas vertrackte Rhythmik verbauend, schicke Gitarrenmelodien, die immer mal zwischendurch aufblitzen lassen, was in den beiden Gitarristen eigentlich für ein Können steckt, und natürlich der unglaublich variable Gesang von Jesse Leach, der zwischen Growls, Screams, Pressgesang und Cleangesang hin und her springt, ohne dabei auch nur im Ansatz angestrengt zu klingen. Zum Ende hin flachen die Songs zwar leicht ab (zumindest ist so das Empfinden, wenn man die Scheibe von vorne bis hinten mehrfach durchhört, vielleicht ist es aber auch einfach nur eine Sättigungserscheinung), aber insgesamt ist es in erster Linie die kontinuierlich hohe Qualität der gesamten Scheibe, die hier hervorgehoben werden muss. Es fehlt zwar (für meine Ohren) der klare Hit, das bedeutet aber lediglich, dass keiner der Songs weit hervorsticht: potentielle Hits sind alle Songs.
Photo by Travis Shinn

Photo by Travis Shinn

Alles in allem ist es schon eine Kunst, bei einem derart ausgelaugten Genre wie Metalcore noch Scheiben zu veröffentlichen, die nicht langweilen. KILLSWITCH ENGAGE ist das erneut gelungen, und bei dieser Scheibe gelingt es mir auch wieder, mir nicht bei jedem Song vorzustellen, wie das klingen würde, wenn Howard Jones das eingesungen hätte. Und mit diesen Worten verspreche ich feierlich, dass ich beim nächsten KILLSWITCH ENGAGE-Release nicht wieder auf diese Thematik eingehen werde (es sei denn, es gibt einen erneuten Wechsel am Mikrofon, wovon ich zunächst einmal nicht ausgehen will). 5,5 Blitze dafür, dass ich mir einen ganz ganz besonderen Song gewünscht hätte, mehr zu meckern habe ich nicht. Album-VÖ: 11.03.2016 5.5-Blitz