(Island/Universal)

„Das hier ist etwas ganz anderes“, sagt BRIAN FALLON über sein kommendes Album, „denn es ist – einfach wirklich meins.“

Ein Statement, welches man durchaus hinterfragen sollte, denn wenn man eine klare Trennlinie zwischen den musikalischen Projekten von BRIAN FALLON ziehen möchte, wird man sich schwer tun. Denn egal ob The Gaslight Anthem, The Horrible Crowes oder Molly and the Zombies, irgendwie war doch stets FALLON der Fixpunkt des Projektes. Songs wie 'Behold The Hurricane' (The Horrible Crowes) oder 'Lucky' (Molly And The Zombies) könnten genauso gut unter dem Label The Gaslight Anthem vertrieben werden und umgekehrt. Und auch in der Bandbesetzung von BRIAN FALLON „solo“ finden sich bekannte Gesichter. Alex Rosamilia (The Gaslight Anthem), Ian Perkins (The Horrible Crowes) und Catherine Popper (Molly & The Zombies) verstärken Herrn FALLON auf der anstehenden Live-Tour.

Warum war es also überhaupt nötig, unter „neuem“ Namen eine Platte aufzunehmen? FALLON antwortet darauf mit der Überzeugung, dass nur ein völlig neuer Name ihm keine Grenzen setzen würde. Keine Erwartungen, keine Vorgaben. „Aber wenn du einfach deinen wirklichen Namen benutzt, dann kannst du irgendein Album aufnehmen – ganz egal! Du kannst dich verändern, mit unterschiedlichen Musikern zusammenarbeiten: Du kannst genau der sein und das machen, was dir vorschwebt und das Ganze dann zu einem Paket verschnüren.’ Ganz ehrlich: Das war einer der besten Ratschläge, den ich jemals bekommen habe.“

So prangt jetzt auf jeden Fall der Namenszug BRIAN FALLON auf "Painkillers". Und das obwohl sich mit 'Red Lights' und 'Long Drives' sogar zwei bereits bekannt Molly & The Zombies-Stücke auf der Platte finden. Das die Stücke hier etwas anders klingen, ist zu großen Teilen dem Hitproduzenten Butch Walker zuzuschreiben, welcher bereits Taylor Swift, Frank Turner oder Keith Urban erfolgreich unter die Arme gegriffen hat. Walker ist sicherlich auch der leichte Country/Folk-Einschlag zuzuschreiben, welcher sich durch die gesamte Platte zieht und bereits mit dem Opener und Vorabtrack 'A Wonderful Life' klarmacht, wohin die Reise hier geht. Der treibende Titeltrack 'Painkillers' atmet die Inspiration eines Bruce Springsteen-Klassikers und kommt so dermaßen auf den Punkt, wie es der Boss in jüngster Zeit nur noch selten vermochte. 'Among Other Foolish Things' besticht durch klassische Rickenbacker-Gitarren und lässt einen selbst im Bürostuhl fröhlich den Takt mitwippen und spätestens bei 'Smoke' lässt man sich auch zu Handclaps verleiten, während vor seinem geistigen Auge FALLON gemeinsam mit seiner Musikertruppe ums Lagerfeuer sitzt und gutgelaunt einen Song nach dem anderen intoniert.

'Steve McQueen' ist schließlich die Ballade, wie sie nur FALLON kann und das anschließende 'Nobody Wins' lässt befürchten, dass sich der Punkbarde von nun an im seichten Fahrwasser verirrt. Nach 'Rosemary' kann jedoch getrost Entwarnung gegeben werden. Dieser Highlighttrack kombiniert die Energie von Hardcore und Punk mit klassischem Rock & Roll. Genau solche Songs habe ich mir von einem FALLON-Soloalbum erwartet. Am Stück folgen dann die bereits bekannten Tracks 'Red Lights' und 'Long Drives', welche bereits unter Beweis gestellt haben, das sie einfach tolle Songs sind, die nicht in der Demo-Schublade versauern sollten. Auch 'Honey Magnolia' lässt einen Fan zufrieden zurück, während sich mit  'Mojo Hand' dann doch tatsächlich ein kompletter Totalausfall auf das Album verirrt hat. 'Open All Night' kommt als Rausschmeißer um die Ecke und bleibt ansonsten nicht sonderlich im Gedächtnis.

Photo by Brian Fallon

Photo by Brian Fallon

Insgesamt liefert FALLON ein recht solides bis gutes Debüt ab, welches ab und an zu sehr im Country zu versinken droht, und zwar immer dann, wenn der Musiker seinen Fuß zu sehr vom Gas nimmt. Wer sich jedoch an den Countryeinflüssen und den teilweise recht penetranten Background-Gesängen, die jeden der 12 Songs durchziehen, nicht stört, der wird mit "Painkillers" verdammt glücklich werden.

Album-VÖ: 11.03.2016 4.5-Blitz