(Tobis Film/WVG Medien GmbH) Was, wenn man eines Verbrechens beschuldigt wird, sich an die fragliche Zeit aber gar nicht erinnern kann? Grundsätzlich kein Problem, da plädiert man auf „vorübergehend unzurechnungsfähig“ oder nicht schuldig und wartet mal ab. Aber was, wenn der Kläger die eigene Tochter ist, und das Verbrechen auf „sexuellen Missbrauch“ lautet? Das, so dachte ich, wäre es, worin es in Alejandro Amenábars Film REGRESSION gehen würde. Ein Gerichtsdrama, so dachte ich. Was mir stattdessen präsentiert wird, ist ein Thriller mit leichten Horror-Ambitionen, in denen ich ein ums andere mal an „Die neun Pforten“ denken musste, wenn auch der Film eine ganz andere Richtung hat. John Gray (David Denclik) ist Alkoholiker, und er kann sich nicht entsinnen, schuldig zu sein, als ihm vorgeworfen wird, er habe seine Tochter Angela (Emma Watson) sexuell missbraucht. Nichtsdestotrotz ist ihm sofort klar, dass seine Tochter ein Engel ist und niemals lügen würde, deswegen gesteht er die Schuld auch ein. Doch Detective Bruce Kenner (Ethan Hawke) ist mit diesem Abschluss nicht zufrieden, denn er glaubt diese Version der Geschichte nicht. Mithilfe von dem Psychologen Kenneth Raines (David Thewlis) versucht er, durch eine Regressionstherapie die Wahrheit ans Licht zu bringen, und je mehr sich die beiden mit dem Fall befassen, umso abscheulicher wird das, was sie recherchieren. Sind die beiden mitsamt dem ganzen Department auf der Spur einer skrupellosen Satanisten-Sekte, die auch vor Vergewaltigung, Babymord und anderen Ritualen nicht Halt machen? Ganz anders als erwartet, das ist das erste, was mir beim Abspann durch den Kopf geht. Dadurch aber auch leider nicht das, was ich wollte, denn gefreut hatte ich mich auf ein Gerichtsdrama, in dem es vor allem um Beweisfindung etc. geht. Hier ist schon relativ bald klar, was eigentlich Sache ist, auch wenn die tatsächliche Auflösung sehr spät erfolgt und dann zumindest einigermaßen pfiffig gelöst wird. Der gesamte Film wird eigentlich durch eine überragende Leistung von Ethan Hawke getragen, David Thewlis, David Denclik und natürlich Emma Watson sind zwar in ihren Rollen gut und glaubwürdig, werden letztendlich aber (durch die große Gewichtung im Drehbuch) von Hawke komplett an die Wand gespielt. Hier hat Alejandro Amenábar, der nicht nur Regie geführt hat, sondern auch das Drehbuch geschrieben hat, einen richtigen Glücksgriff gemacht, denn auf Anhieb hätte ich eine vergleichbare Leistung wohl nur einem Methode Actor wie Christian Bale zugetraut. Erstaunlich an der ganzen Geschichte ist zudem, dass dies alles auf wahren Begebenheiten basiert. Gerade das macht den Film im Nachhinein noch einmal doppelt gruselig. Ansonsten sorgen die vielen Weichzeichner und das insgesamt recht dunkel wirkende Bild dafür, dass hier eine Gänsehaut-Atmosphäre erzeugt wird, die gut zu dem Geschehen auf dem Bildschirm passt. Regression-SzenenbildREGRESSION ist ein Film, den man sich gut anschauen kann, bei dem man allerdings auch nicht wirklich viel verpasst hat, wenn man ihn nicht kennt. Kein typischer Film, über den man sich in irgendeiner Form, sei es positiv oder negativ, typischerweise im Nachhinein unterhalten würde. Fans von Ethan Hawke kommen voll auf ihre Kosten, Fans von Emma Watson werden eher enttäuscht sein über die überschaubare Screentime, die ihr zuteil wird. Für viel mehr als oberer Durchschnitt reicht es dann am Schluss aber doch nicht, dafür bietet der Film zu wenig Neues, zu wenig Spektakuläres, daher 4 Blitze für den Film (und gedankliche 5,5 Blitze für Ethan Hawke). Film-VÖ: 26.02.2016 4-Blitz