(Redfield Records) Split-EP’s sind ja von Natur aus schon immer etwas schwieriger zu rezensieren, da hier eigentlich eine separate Bewertung für jede Band einzeln erfolgen sollte. "Guerilla Homefires" ist, nebenbei erwähnt, auch nicht die erste Split-EP von A TRAITOR LIKE JUDAS. Vor einigen Jahren gab es bereits eine Split-EP mit den Jungs von Maintain. Mit "Guerilla Homefires" haben zwei aktuelle Größen der Deutschen Hardcore-Szene ein gemeinsames Brett mit interessanten Ansätzen am Start. Fangen wir doch von vorne an und widmen uns zuerst den zwei Songs von A TRAITOR LIKE JUDAS. Song Numero Uno 'Gold Digger' ist das komplette Gegenteil von dem, was man für gewöhnlich in den letzten Jahren von A TRAITOR LIKE JUDAS gewohnt war. Dort, wo damals noch Crewshouts und derbe Moshparts Platz fanden, finden wir nun einen anfangs etwas ungewöhnlich anmutenden, poppigen Hardcore-Genremix. Das ist in diesem Fall allerdings keinesfalls negativ zu bewerten. Die Vocals sind ordentlich und mit einigen fetten Riffs verziert. 'Gold Digger' gefällt mir de facto also gut und ist eine clever gewählte Weiterentwicklung zum Vorgängeralbum "Guerilla Heart". Anders sieht es da leider mit 'Welcome To Hell' aus. Dieser Song geht komplett an mir vorbei und das „Boom Boom“ von Frontmann Jasper wirkt auf mich eher befremdlich als …ähm…Bedrohlich??Ernsthaft? Die Aussage im Song ist klar, aber durch eben diese Line im Gesang bekommt der Song für meinen Geschmack, zum Leidwesen der Plattenbewertung, einen leicht lächerlichen Touch. (Ähnlich wie 'One Way Ticket Back' vom Vorgängeralbum, welches ich auch nicht wirklich ernst nehmen konnte). Eines muss man A TRAITOR LIKE JUDAS allerdings nach wie vor lassen. Diese Jungs schreiben Texte mit 100% Wahrheitsgehalt und ordentlich Nachdruck und sollten jeden in einer stillen Sekunde mal zum Nachdenken anregen. Des Weiteren ist, mal ganz abgesehen von der musikalischen Leistung, das private Engagement der Jungs für sämtliche Problematiken unserer Zeit absolut bemerkenswert und sollte viele andere Menschen zum Mitziehen bewegen. Nun zum zweiten Teil. Auch LIGHT YOUR ANCHOR liefern uns auf "Guerilla Homefires" zwei Tracks. Und genau an diesem Punkt wird auch schon die Problematik von Split EP’s deutlich. Man fängt nämlich bereits nach kurzer Zeit unterbewusst an zu vergleichen, ähnlich einem Wettkampf und versucht, die für einen selbst bessere Band auszumachen. Was meine Gedanken zu dieser Problematik sind, sei mal dahingestellt, denn das soll bitte jeder für sich selbst ausmachen. LIGHT YOUR ANCHOR sorgen mit 'Generation Y' & 'Hutaree' für derbe Mosh-Parts und eine Menge „Mitgröhlmomente“, viel mehr kann ich dazu dann aber auch leider nicht sagen. Eben auch weil LIGHT YOUR ANCHOR die letzten Jahre immer wieder an mir vorbeigezogen sind und mich nie wirklich interessiert haben. Ich war mir ihrer Existenz durchaus bewusst, das war es dann aber auch schon. Für mich leider kein sonderlich ansprechendes Songwriting und ein uninspirierter Einsatz typischer Hardcoreelemente. Das was hier gemacht wird, ist von guter Substanz, aber nicht fesselnd. Klingt eben gut und hat seine Existenzberechtigung, ist aber nichts, was ich mir in meiner Freizeit anhören würde… Alles ein einem ist "Guerilla Homefires" eine gute Split-EP, wo mich jedoch A TRAITOR LIKE JUDAS mit 'Gold Digger' länger gefesselt hat und fesseln wird. Ich bin gespannt, was in Zukunft noch folgen wird und freue mich auf weitere Songs wie 'Gold Digger'. Split-Vinyl (300 white and 200 black) ink.Download-Code-VÖ: 18.03.2016 4-Blitz