(People Like You) Drei Münchener Musikanten, vier Jahre deutscher Postcore auf drei Alben, vorgetragen auf diversen Bühnen der Republik. So oder so ähnlich könnte man die Geschichte MARATHONMANNs auf einen Nenner bringen. Könnte man... wenn diese Band nicht im Ansatz so interessant wäre, wie sie nunmal ist. Daher Lupe raus und alle Blicke auf "Mein Leben gehört Dir"! Ich war recht gespannt auf den nunmehr dritten Longplayer des Münchener Trios, da ich die vorliegenden Werke immer mal interessiert rotieren ließ. Dabei blieb es aber auch meist. Nicht mehr, nicht weniger. Im Intro entsteht schon der allzu typische Gefühlskoloss, mit dem MARATHONMANN ihre Alben regelmäßig zusammen zu schreiben scheinen. Hier zeigt er sich in Form eines Monologes, welcher zu sphärischen Klängen nebst kratzender Schallplattennadel gesprochen wird. Jedoch finde ich es durchaus passend und für mich schon unumgänglich mit MARATHONMANN verbunden: das Gefühl der Persönlichkeitsentfaltung in einer rauen Welt, der Appell an den kindlichen unbeschwerten Mut, der ohne zu zweifeln zum Handeln aufruft und dabei nur das eigene Glück in den Vordergrund stellt. Ein Gedanke, welcher seine Visualisierung schon zu "Holzschwert"-Zeiten durch das Cover fand. Mit all diesen Eindrücken im Köcher zeigt sich nun mit 'Das Leben der Anderen' die musikalische Wucht, mit der MARATHONMANN diese Gefühle umrahmen wollen. Inbrünstiges Shouting, gepaart mit treibendem Drumming und eingängigem Refrain, so soll es also weitergehen. Und hier zeigt sich sofort der nächste Entwicklungsschritt der Münchener. Der eigene Sound, aber noch wesentlich einprägsamer als zuvor. Singalong-Potential! 'Blick in die Zukunft' geht diesen Weg ähnlich weiter, alles wie gewohnt verpackt in einer gewissen Moll-Attitüde. Das folgende 'Konstante Schmerzen' wirkt weniger kantig, aber dennoch stimmig. 'Stillstand/Weiter' schafft eine tolle Balance zwischen ruhigen und punkigen Uptempo-Parts, bevor ein Gast in Form des Calibanesen Andreas Dörner sich bei 'Du lässt die Farben gehen' die Ehre gibt. Langsam an Land gespült scheint 'Stimmen im Meer' sich anzubahnen, verliert sich aber dann doch irgendwie wieder im Wellengang. Dem entgegen steht ein unheimlich kraftgeladenes 'Wunden und Narben', chapeau!
Photo by Simon Gehrig

Photo by Simon Gehrig

'Die Zeit war" betritt die Tanzfläche im angenehm rockballadesken Gewand und macht nun Platz für eine Art Trilogie des Wahnsinns, verkörpert durch die letzten drei Songs von "Mein Leben gehört Dir". Im Grunde bringen MARATHONMANN hier mit 'Der Himmel bricht ein' und 'Tage bis zum Sommer" zwei großartige Tracks, die einfach nur Laune machen, um dann mit dem Rausschmeißer 'Mein Leben gehört Dir' einen mit philosphischen Fragen gespickten moralischen Deckel auf das gleichnamige Album zu tun. Sie können einfach nicht anders, aber ist auch nicht negativ gemeint. Für mich überwiegen hier absolut positive und intensive Hörerlebnisse und ich werde weiterhin überrascht dieses tolle Werk noch viele Male hören. Mit kindlicher Freude und Holzschwert im Anschlag! Album-VÖ: 25.03.2016 5.5-Blitz