(Century Media)

CALIBAN veröffentlichen ihr neues Album "Gravity" 18 Jahre nach ihrem Erstlingswerk und feiern damit also ihre musikalische Volljährigkeit. Trotz ähnlicher Herangehensweise wie bei den beiden Vorgängern "I Am Nemesis" und "Ghost Empire", gibt es bei "Gravity" zwei wesentliche Neuerungen: mehr melodische Shouts von Frontman Andreas Dörner und den aggressivsten Gitarrensound aller bisherigen Alben.

Der Großteil der Songs soll einen wachrütteln und dazu motivieren, seine eigene innere Stärke zu finden und für einen Neuanfang zu kämpfen. Aber auch die Schattenseite des Lebens wird durch das Erkennen der eigenen Dämonen, Verlust und Abhängigkeit thematisiert. Desweiteren geht es auch um Solidarität und Toleranz sowie den Kampf gegen Vorurteile, Faschismus und soziale Ausgrenzung.

'Paralyzed' ist der Opener des Albums und wurde schon vorab als Single veröffentlicht. Ich war von Anfang an total begeistert und finde den Song richtig gut. Der Refrain ist mehrstimmig, aber der Song hat trotzdem die perfekte Menge an Aggressivität und erinnert mich an den Sound von Bring Me The Horizon auf "Sempiternal". Bei 'Paralyzed' geht es um den Verlust der eigenen Identität und den Kampf, diese wieder zu bekommen. Angeheizt durch die Medien, Lügen und Halbwahrheiten, verliert man sich schnell in einem Labyrinth voller Meinungen Anderer ohne diese zu hinterfragen. Der Song ruft dazu auf, aus dieser Lahmlegung auszubrechen.

'Mein schwarzes Herz' wurde ebenfalls vorab als Single veröffentlicht und ist der deutschsprachige Song des Albums. In dem Song geht es vor allem um zwischenmenschliche Beziehungen und dass die emotionale Zerstörung durch Jemanden durchaus auch neue Energie hervorbringen kann und sich infolgedessen neue Wege für einen eröffnen. Das Sprichwort "Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang" bringt die Botschaft dieses Songs somit auf den Punkt.

'Who I Am' ist ein aggressiver Song und hat gegen Ende ziemlich fette Breakdowns vorzuweisen - ich finde, der Song geht gut ins Ohr. Auch hier wird eine positive Botschaft transportiert: Lerne dich selbst kennen, sei mutig und versteck dich nicht. Es geht darum, andersartig aber auch tolerant gegenüber Anderen zu sein – z.B. in Bezug auf das äußerliche Erscheinungsbild (Akzeptanz von Tattoos und Piercings) oder elementare Themen wie Homosexualität, Migranten usw.

Auch 'Left For Dead' ist ziemlich aggressiv, die Gitarren machen ordentlich Druck und ich vom Sound her erinnert mich das Ganze an Architects. In dem Lied geht es um das Ende einer engen Freundschaft, nachdem man herausgefunden hat, dass man nur benutzt und ausgenutzt wurde, während sich die andere Person einen Dreck um einen selbst geschert hat – man muss also mit einer riesengroßen Enttäuschung klar kommen. Diese Thematik spiegelt sich meines Erachtens sehr gut in der Musik wider.

'Crystal Skies' ist der erste von insgesamt drei featured Songs. Hierfür wurde Jamie Graham von Heart Of A Coward mit ins Boot geholt. Das Thema dieses Songs ist Drogenabhängigkeit und der Zwiespalt zwischen dem Gefühl von Geborgenheit und Wärme, was den Betroffenen von seinem Kummer und Schmerz befreit und dem Punkt, an dem der Betroffene bereit ist, sich dem Schmerz anzunehmen und dagegen anzukämpfen. Instrumentell hat der Song einiges zu bieten: vor allem das Schlagzeug geht gut nach vorn und auch der Gitarrensound ist ziemlich fett, gekrönt wird das Ganze dann mit der Bridge.

'Walk Alone' handelt von Flüchtlingen und den Grenzen und Mauern, denen sie begegnen. Der Song appelliert an unsere Toleranz gegenüber Flüchtlingen und Migranten. Musikalisch punktet der Song bei mir mit einem sehr melodischen Refrain, dem Gitarrensolo und dem Schluss.

Dem zweiten featured Track 'The Ocean's Heart' hat Alissa White-Gluz von Arch Enemy ihre Stimme geliehen. Der Song über Tierrechte ist sehr kraftvoll und vor allem der Refrain geht gut ins Ohr. Im Speziellen geht es um die Brutalität und die Sinnlosigkeit der Tötung von Walen, wie beispielsweise auf den Färöer Inseln.

'brOKen' ist sehr melodisch und verfügt über ziemlich ruhige Strophen, was aber total zum Thema des Songs passt. Denn dieses Lied erzählt eine Geschichte über eine verloren gegangene Liebe und beschreibt den Moment, in dem man realisiert, dass es das Ende ist, aber man es einfach nicht wahrhaben will. Deshalb gibt man nicht auf, obwohl man weiß, dass alle Bemühungen vergeblich sein werden.

'For We Are Forever' ist ein solider CALIBAN-Song und erinnert mich vom Sound vor allem beim Pre-Chorus an Parkway Drive. Der Songtext ist sehr positiv und macht deutlich, dass wir die Kraft besitzen, Dinge zu verändern und ruft dazu auf, Faschismus zu bekämpfen.

Photo courtesy of Century Media

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Beim dritten featured Song 'Inferno' haben Marcel Gadacz (übrigens auch Gestalter des Album-Artworks) und Zachary Britt von Dream On Dreamer mitgewirkt. Auch dieser Song ist solide, überzeugt aber vor allem durch den Kracher von Refrain. Der Song bringt zum Ausdruck, dass Jeder einen gewissen Anteil an Finsternis in sich trägt, was aber nicht zwangsläufig schlecht sein muss, sondern vielmehr ein Aspekt von Menschlichkeit darstellt.

Mit 'No Dream Without A Sacrifice' machen CALIBAN deutlich, dass man seine Vergangenheit und sein altes Leben hinter sich lassen soll, um zu neuen Ufer aufzubrechen, für den Moment zu leben und somit das Leben in vollen Zügen zu genießen.

Der Pre-Chorus von 'Hurricane' geht gut ab und endet in einem sehr melodischen Refrain, welcher den Song für mich zur Hymne des Albums qualifiziert. Es geht um den Kampf gegen und den Ausbruch aus den Fängen der Gesellschaft und ihren Lügen.

"Gravity" bekommt von mir 4,5 Blitze, weil ich mir nach 'Paralyzed' mehr Songs dieser Art erhofft habe, diese Erwartungen aber leider nicht erfüllt wurden. Dennoch können Metalcore-Liebhaber das Album sehr gut hören und ich bin mir sicher, dass das gewisse Etwas, welches ich auf Platte hier und da vermisse, bei Konzerten definitiv gegeben sein wird - live haben mich CALIBAN nämlich bei ihrer Ghost Empire Tour 2015 vollends überzeugt.

Album-VÖ: 25.03.2016

4.5-Blitz


  Live könnt ihr CALIBAN an folgenden Terminen sehen: ReleaseShows 25.03. Berlin, Privatclub (AUSVERKAUFT!) 26.03. Essen, Turock (MTV Headbangers Ball Party) Festivals 2016 02.07. Vainstream Rockfest, Münster 10.07. Out & Loud Festival, Geiselwind 21.-23.07. Deichbrand Festival, Cuxhaven 04.-06.08. Wacken Open Air, Wacken (AUSVERKAUFT!) 19.-21.08. Highfield Festival, Großpösna 02.09. Rockspektakel, Hamburg 03.09. Full Metal Cruise, Kiel