(Dine Alone Records/Caroline/Universal) Es gibt diese Bands, die immer etwas unter dem Radar fliegen, eine schöne Platte nach der nächsten veröffentlichen, aber niemals so präsent sind, wie sie es eigentlich verdient hätten. WINTERSLEEP gehören in diese Kategorie - seit 2002 am Start und mit "The Great Detachment" gibt es mittlerweile das sechste Studioalbum zu erwerben. Selbst bei dem allwissenden Wikipedia wird nur darauf hingewiesen, dass die aus Kanada stammende Band schon als Support von Pearl Jam und The Editors in Erscheinung getreten ist. Somit ist auch die musikalische Verortung im Indierock eine klare Sache. Mit dem Einstiegssong 'America' geht es auch gleich dramatisch los. Der folkige Gesangsstil von Paul Murphy und die Harmonien während der Bridge zum Chorus lassen Gedanken an Mumford & Sons aufkommen, wobei die aufeinandergetürmten Gitarrenlinien und das zwischenzeitliche Falsettgejaule, die Aufmerksamkeit des Hörers fordern. 'Santa Fe' im direkten Anschluss versprüht den positiven Geist von einem straighten und melodieverliebten Indierocker, der dadurch hervorsticht, dass die Strophen nach einer Air-Produktion klingen, um den Refrain wunderschön zu öffnen und alle willkommen zu heissen, die sich wünschten, The Weakerthans hätten sich nicht aufgelöst. Dann auf einmal: The Bee Gees! Ach nee, ist doch wieder eine weitere Facette von der außergewöhnlichen Spannbreite, die WINTERSLEEP uns hier bei 'Lifting Cure' präsentieren. Nach dem euphorischen Einstieg flacht der Track allerdings etwas ab, auch wenn die Melodien wieder herzzerreissend sind. Das die Straffung von Songs automatisch auch die Kurzweiligkeit erhöhen und somit auch das Interesse an der Platte an sich, beweisen die aufeinander folgenden Songs 'More Than', 'Shadowless' und 'Metropolis' im negativen Sinne. Das Songtrio ist keinesfalls schlecht, aber bestenfalls nett - durch die in die Länge gezogenen Wiederholungen fangen die Kompositionen dann aber schnell an zu nerven. Jeder Track geht über die 5-Minuten-Grenze und ist leider jeweils so unspannend gestaltet, dass die Dynamik völlig flöten geht. Klar folgen mit 'Spirit' und 'Freak Out' noch designierte Hits, die auch mehr Power im Arsch haben, aber WINTERSLEEP schaffen es nicht mehr komplett das Ruder herum zu reissen, um den verkorksten Mitteltteil von "The Great Detachment" aufzufangen. Dabei machen WINTERSLEEP eigentlich soviel richtig. Die teilweise an Interpol erinnernde Melancholie wird in Death Cab For Cutie-artige Posivität umgewandelt und dadurch der Wiedererkennungswert von WINTERSLEEP definiert.
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Photo by Norman Wong

Allerdings sind zuviele uninspiriert wirkende Soundcollagen untergebracht, die zwar mit Leben gefüllt sind und Emotionen frei setzen können, aber der gewisse Zug, um den Song zufriedenstellend zuende zu bringen fehlt an vielen Stellen. Die Hälfte der Songs auf "The Great Detachment" beweisen die Vielfältigkeit und das Herzblut welches WINTERSLEEP innewohnt, nur torpediert die andere Hälfte den Gesamteindruck massiv, so dass als Fazit dreieinhalb Blitze übrig bleiben. Album-VÖ: 18.03.2016 3.5-Blitz