(Indie / Soulfood)

Schweden´s CULT OF LUNA sind 3 Jahre nach "Vertikal" I und "Vertikal II" wieder mit einem neuen Album zurück. Und wie zu erwarten, gehen Sie nicht auf Nummer sicher und machen nicht einfach da weiter, wo die Vorgängerwerke erfolgreich aufgehört haben. Mit Verstärkung in Person von New York’s own Julie Christmas haben sie mal wieder die Rahmen Ihres Sounds größer gesteckt.

Der zusätzliche weibliche Gesang ist vordergründig die größte Neuerung auf "Mariner" im Vergleich zu den "Vertikal"-Scheiben. Allerdings ist das auf keinen Fall schon alles. "Vertikal" war als musikalische Anlehnung an den Metropolis-Stummfilm aus den 20igern sehr mechanisch, manchmal gerade zu kalt. Die Songs hatten etwas bedrohliches, benutzten häufig an einen Marsch erinnernden Rhythmus. Auf "Mariner" sind CULT OF LUNA einerseits zurück zu den epischen Werken von "Salvation" und "Somewhere Along The Highway", andererseits ist da eine neue Dimension im Songwriting, die den Songs eine unglaubliche Weite gibt. Und natürlich ist da Frau Christmas. Wenn im Opener 'A Greater Call' nach ca. 3 Minuten die Gitarren einsetzen, hinterlegt mit einem gewaltigen Schlagzeug-Beat und dem gemeinsamen Gesang von Herrn Persson und Julie Christmas, dann gibt es bei mir eine Gänsehaut, dass die Armhaare hochgehen wie eine Apollo-Rakete. Unglaublich dicht und intensiv. Das Level dieser ersten Sekunden hält das ganze Album (fast) durchgängig über die volle Spielzeit von 55 Minuten - verteilt auf nur 5 Songs. Fast deshalb, weil 'Approaching Transition' mit 12 Minuten dann doch etwas zu lang geworden ist und der Spannungsbogen sich zwar aufbaut, aber zu lange braucht, ohne das es so wirklich notwendig gewesen wäre. Das ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt. Drumherum bleibt eines der Album-Highlights des Jahres über. Post-Post-Metal? CULT OF LUNA sind sicherlich eine der prägenden Bands des Genres, gleichzeitig fordern sie sich und ihre Hörer aber immer wieder aufs Neue heraus. In der Zusammenarbeit mit Julie, haben die Songs nichts von Ihrer Wucht verloren. Sie sind aber naturgemäß noch vielschichtiger geworden.

Photo courtesy of Indie Recordings

Photo courtesy of Indie Recordings

Die Stimmgewalt von Julie ist eindrucksvoll und hat die komplette Bandbreite von manisch-schreiend zu hochmelodiös. Sie scheint immer die richtige Intonation zu finden um den Song nach vorne zu bringen. Bei 'The Wreck of S.S. Needle' hat sie fast komplett alleine das Kommando. Die Gesangsparts gleich am Anfang sind packend ohne Ende. (Tip am Rande: unbedingt mal ihre früheren Bands Made Out Of Babies und Battle of Mice auschecken). Der Wechsel mit den gewohnten Growls funktioniert perfekt. Ein mächtiges Album, dass mal wieder beweist, das Innovation im Metal bzw. in der harten Musik noch lange nicht seinen Zenit erreicht hat. Es braucht auch keine jungen One-Hit-Wonder Hype-Bands um das zu beweisen, solange es Veteranen wie CULT OF LUNA gibt, die sich mit nichts zufrieden geben und die Grenzen stetig verschieben.

"Mariner" ist hart, traumhaft schön, manchmal fast „leicht“ und immer eindringlich.

Album-VÖ: 08.04.2016

5.5-Blitz