(Uncle M Music/ Cargo Records) Uncle M Music erweitern ihr Portfolio sukzessiv und arbeiten weiterhin daran, eines der spannendsten Labels in Europa zu bleiben. Die Unterstützung für "große" Bands wie Boysetsfire oder Hot Water Music erlauben den Münsteranern im Gegenzug den Aufbau des Undergrounds, wobei hier genauso viel, wenn nicht sogar mehr, Herzblut reinfließt. So konnten schon die aus UK stammenden Muncie Girls, die Niederländer Coppersky oder Kàla (Standort Österreich) einem breiteren Publikum bekannt gemacht werden. Nun ein herzliches Willkommen nach Australien und High-Fives mit THE BENNIES. Etwas Optimismus in diesen tristen Zeiten ist ja nicht das Verkehrteste und was bitte passt besser, um die Stimmung aufzuhellen, den Sommer herbeizusehnen und die neuesten Band T-Shirts auszuführen, als positiv aufgeladene Gitarrenmusik. Ohne viel Firlefanz oder intellektuellen Diskurs in den Texten, einfach weil man den Kopf frei bekommen und feiern möchte. THE BENNIES könnten mit ihrem zweiten Studiowerk "Wisdom Machine" genau die richtige Wahl sein. Schon der erste Track 'Heavy Reaggae' beweist den Abwechslungsreichtum, der einen auf dem 11 Songs starken Album erwarten könnte. Mit einem fiesen Modemgeräusch geht es los, dann einen Augenblick konfuser Krach, um kurz darauf die Weed-Schwaden vor dem inneren Auge vorbeiziehen zu sehen. Fast gänzlich instrumental gehalten, mit einem kleinen Mad Caddies-Gesangsteil mittig im Song. Danach folgt schon die erste Singleauskopplung 'Party Machine', die in den australischen Radiostationen Heavy Rotation gelaufen ist und auch hier die Alternativsender hellhörig werden lassen müsste. Ein an Andrew W.K. erinnernder und v.a. kompromisslos nach vorne peitschender Dancefloor-Filler, mit dem man jede Crowd in Wallung bringt. Hier zur Verdeutlichung mit entsprechendem Video: Wenn man es sich einfach machen wollte, könnte man THE BENNIES in das Genre des PunkRocks oder SkaPunks einordnen - was 'Maybe We Could High' (feat. Jay Whalley/Frenzal Rhomb) oder 'Detroit Rock Ciggies' z.B. auch hervorragend beweisen würden. Diese Songs haben verdammt eingängige Refrains, drehen im oberen Geschwindigkeitsdrittel und setzen sich nach einmaligen Hören permanent in den Gehörgängen fest. Aber die bekannten Begrifflichkeiten sind bei THE BENNIES zu kurz gegriffen, weil auf diesem Album soviel mehr passiert. 'Burnout City' und 'Legalise (But Don't Tax)' gehen dann die entspanntere Variante und zaubern Fans von o.g. Mad Caddies oder auch Sublime ein breites Grinsen ins Gesicht. Und dann bricht mit Anfang des letzten Drittels von "Wisdom Machine" das Songmonument 'Corruption' über einen herein: Was eine Mächtigkeit und wie abgefahren ist es, dass Mastodon Riffs in Verbindung mit Dub-Elementen zu so einer in sich geschlossenen Einheit verschmelzt werden können. Ohne anbiedernd zu klingen, schaffen THE BENNIES den Spagat mühelos und klingen wie aus einem Guss. Extrem faszinierender Song, der sich in deinen Kopf schraubt, wenn du offen und aufgeschlossen Musik auf dich wirken lassen kannst. Stark! Zur Auflockerung folgt ein halbminütiges Interlude namens 'West Memphis Three Paper' in bester The Smith Street Band-Manier (Fun Fact: Das Albumcover wurde vom Drummer ebendieser entworfen), um bei 'Turning Around' den Less Than Jake-Motor anzuwerfen und mit Unterstützung von Ezra Kire (Leftöver Crack) entspannt rockig den vorletzten Song abzuliefern. The_Bennies_Photo_courtesy_of_Uncle_M-Music Denn der Abschlusssong 'O Brother, Where Art Thou?' fordert nochmal für ganze 10 Minuten die Aufmerksamkeit des Hörers - hier kulminiert alles, was THE BENNIES ausmacht. Die Kreativität, der Schiss auf Genregrenzen, sich auszuprobieren und was zu erschaffen, was einfach klingt, aber schwer umzusetzen ist: Die Leichtigkeit vermeintlich simpler Genres wie PunkRock oder Ska in einen gewissen Anspruch zu kleiden und trotzdem vordergründig und mit Überzeugung Spaß zu haben und anzubieten. Richtig tolles Album, welches die 5,5 Blitze mehr als verdient hat. Und nun geht zu einem Konzert der Jungs und lasst euch die Birne freipusten. 🙂 The-Bennies-euro-tour-poster Album-VÖ: 25.03.2016 5.5-Blitz