(End Hits Records/ Cargo Records) Alles begann mit Tagtraum, einer der unterbewertesten deutschen Punkrock-Bands, die zurecht mit der Begrifflichkeit Emo in Verbindung gebracht wurden, da sie emotionale und teils melancholische Themen mit dem richtigen Gespür für Melodien und Aggressivität verbunden haben. Hauptverantwortlich war damals Matthias Nürnberger, der nach der Auflösung von Tagtraum im Jahre 2006 zum Glück solo weitermachte und das Projekt Senore Matze Rossi nannte. Aus welchem Grund der Zusatz Senore ab 2014 wegfiel, kann ich nicht eruieren - meiner Vermutung nach sollte damit evtl. die Solokarriere aus den Kinderschuhen entwachsen und erwachsener klingen. Nun wurde die Tage über End Hits Records das mittlerweile fünfte Studioalbum veröffentlicht. "Ich Fange Feuer" lotet textlich und durch reduzierte, fast schon minimalistische Instrumentierung das Genre des deutschsprachigen Singer/ Songwriters neu aus. Reflexion und befindlichkeitsfixierte Texte sind die großen Themen der Platte und die Vertonung fängt mit 'Wenn Ich Mal' lebensbejahend an und endet als toller Bandsong mit 'Zieh Meine Träume Nicht Durch Den Dreck'. Man spürt, dass das Album eine Atmosphäre atmet, die durch die Produktionsbedingungen umfassend unterstützt wurde. Alle Songs wurden nämlich live aufgenommen und möglichst natürlich abgemischt, um die Authenzität nicht zu zerstören. So fühlt man sich Herrn ROSSI nah und bekommt einen Eindruck, was einen live erwarten kann. Mir persönlich ist das Ganze allerdings zu wenig abwechslungsreich. Vielleicht war ich auch nicht in der richtigen Stimmung, es fehlen mir hier die Highlights, die es einem einfacher machen könnten, ein Album zu entdecken und die Motivation auslösen "dranzubleiben". Es macht in meinen Augen eigentlich keinen Sinn, einzelne Songs hervorzuheben oder zu bewerten, da "Ich Fange Feuer" als Konzept funktioniert und auch so vom Zuhörer akzeptiert werden muss. MATZE ROSSI braucht den Vergleich zu Thees Uhlmann (scheint etwas durch bei 'Das Vertraute Kribbeln In Meinen Händen') oder Olli Schulz nicht scheuen. Durch den, ich nenne es mal Crisp in der Stimme (dieses leicht kratzig, rauhe Timbre) ist das Alleinstellungsmerkmal gut zu verorten. "Ich Fange Feuer" ist kein Album, welches man nebenbei oder oberflächlich hören sollte - sondern ein Werk voller kleiner Schönheiten, die man entdeckt, wenn man sich mit der Platte beschäftigt, das Booklet zur Hand nimmt, eintaucht in die Welt von MATZE ROSSI und am Ende womöglich viel mehr mitnimmt, als "nur" die Unterhaltung und Freude an einem stimmigen Songwriter-Album.
MatzeRossi_Photo_by_CarolinBreckle

Photo by Carolin Breckle

MATZE ROSSI ist ein Sympath, will und muss aber niemandem gefallen. Er macht keine Kompromisse und ist somit im Herzen Punk geblieben. "Ich Fange Feuer" ist persönlich, melacholisch und geht tief rein, wenn man sich darauf einlässt und beschäftigt und Musik nicht nur konsumiert. Album-VÖ: 18.03.2016 4-Blitz