(Arctic Rodeo Recordings/ Broken Silence) Wenn sich Labelmacher mit ihrer eigenen Band quasi selbstveröffentlichen, ist das 1. ihr gutes Recht, macht 2. Sinn und trifft 3. meist qualitativ die Schnittmenge der vorher schon veröffentlichten Künstler. Das funktioniert im PunkRock (Fat Wreck Chords & Epitaph Records) und trifft nun auch beim DIY-Label Arctic Rodeo Recordings zu. Mitgesellschafter und Labelmacher Frederic Klemm brauchte ein Ventil, um seiner Trauer über den Verlust seines Bruders Ausdruck zu verleihen und so wurde in mühevoller Kleinstarbeit das Projekt BARRELS entwickelt. Nach langem Ausprobieren und der Findung des richtigen Sounds, der den anspruchsvollen Musikliebhabern gut passt, wird nun "Invisible" auf den Weg gebracht, welches u.a. durch Zuhilfenahme beim Mastering vom Joshua-Sänger Dan Coutant einen internationalen Standard verpasst bekommen hat. Kurzes musikalisches Einzählen, dissonante Riffs, die aber nach Einsetzen des Gesangs die Spur finden und einen Foo Fighters/EmoCore-Tornado auslösen. Dazu Backing Vocals, die in einigen Momenten aggressiv reinbrüllen und ein Chorus, der dich bei den Eiern hat - fertig ist der Opener 'Down The Hill'. 'Walking In Circles' erinnert angenehm an ältere Helmet und lässt die nachweislichen Referenzen von BARRELS aufblitzen. Um diesen steten Strom von Noise-Explosionen erst gar nicht versiegen zu lassen, folgt im Anschluss 'Without A Voice'. Dem Song ist eine tiefverwurzelte Melancholie anzuhören, der Verzweiflung mit einem Funken Posivität verbindet. Gitarre/Gitarre/Bass/Schlagzeug erzeugen einen feinen Sinn für Dynamiken, die sich teilweise zu mächtigen Wall-Of-Sounds hochschrauben, um im nächsten Moment die Feinheiten der Kompositionen auszuloten. Das BARRELS auch gradlinig können, zeigen sie z.B. bei 'Read Between The Lines' oder 'Be My Guest'. Die Songs ziehen natürlich nicht stumpf durch, sondern zaubern den ein oder anderen Break aus der Tasche, der aber nicht daran hindern sollte, das Tanzbein zu schwingen. Sänger und Gitarrist Frederic erinnert mich desöfteren an den Hey Mercedes/Braid-Frontmann Bob Nanna, was wahrlich keine schlechte Assoziation ist. Das in Verbindung mit Quicksand ('Repeat The Tape And Press Play Again') oder krachigen/knackigen Shades Apart-Anleihen ('Come Around') und fertig ist eines der überraschendesten und spannendsten EmoCorePunk-Alben im bisherigen Jahr.
barrels_band_photo_by_Peter_Kupfer

Photo by Peter Kupfer

Ein feiner Brocken aus den Versatzstücken Jawbox, Quicksand und dem noisigen EmoCore der alten Schule. Man kann mit "Invisible" gut in Erinnerungen schwelgen, als man noch Musik für sich entdeckte und seine bevorzugten Genres definierte. BARRELS sind anspruchsvoll ohne verkopft zu sein, sind sperrig ohne die Catchyness aus den Augen zu verlieren und sind Hamburger ohne so zu klingen. 🙂 Album-VÖ: 24.03.2016 5-Blitz