(Pure Noise Records/ Soulfood) WAAAASSS?? Pure Noise Records releasen ein Stück Musik, welches nicht in den Rahmen des PopPunk gequetscht werden kann? Ja, verdammt! Und mit LANDSCAPES haben sie nicht nur nach langer Zeit eine HardCore-Truppe im Portfolio, sondern die erste Band außerhalb der Staaten gesignt. Das verspielte und irgendwie süße Cover geht komplett konträr zum musikalischen Inhalt - soviel sei all jenen als Warnung mit auf den Weg gegeben, die aufgrund der Optik und dem Label blind zugreifen würden. Hier atmet jede Note pure Verzweiflung und wer fröhlich in einen sonnigen Frühlingstag starten möchte, wird sich nach dem Genuss von "Modern Earth" in einer Dystopie unfassbarer Ausmaße wiederfinden. Eine Gitarre, die relativ losgelöst und atmosphärisch im Intro einen Spannungsbogen untermalt, der sich beim ersten richtigen Song 'Observer' Bahn bricht und die anderen Instrumente in einen HardCore-Sound einbindet, der wütend und verzweifelt klingt. Der Gitarrensound ist ein Alleinstellungsmerkmal, der sich wie eine roter Faden durch "Modern Earth" zieht, im Grunde "nur" vor sich hindudelt, aber die Struktur vorgibt und zusammenhält. LANDSCAPES präsentieren uns ein erweitertes Hörbuch - im Grunde erzählt uns Frontmann Shaun Milton Geschichten, die das Leben schreibt - das Ganze wird untermalt von der Dringlichkeit des modernen Verzweiflungs-HardCores. Refrains an denen man sich orientieren könnte, sucht man vergeblich und auch für Melodie-Fanatiker dürfte "Modern Earth" ein Schlag in die Magengrube sein. Und genau das ist: Intensive, sehr dicht komponierte Soundcollagen, die an The Carrier mit den postrockigen Elementen von Bands wie Isis oder Pelican denken lassen. Es gibt auf dem zweiten Studioalbum der aus Somerset/England stammenden LANDSCAPES keinen Song, der beispielhaft herausgepickt werden könnte, um es stilistisch einzuordnen. Die Jungs haben ein Album geschaffen, welches den Zuhörer immens fordert. "Modern Earth" muss als Gesamtkonzept begriffen werden. Klar überrascht z.B. der Klar-Sprech-Gesang bei 'Remorser' und die sphärischen Parts bei 'Aurora' oder 'Heaven Ascended', aber Zugänglichkeit funktioniert anders und ist auch gar nicht gewollt. "Modern Earth" ist kein Album für jede Lebenslage, sondern für die Momente, in denen man sich zurücknimmt, eventuell sich selbst reflektieren möchte und die notwendige musikalische Untermalung aggressiv und depressiv sein soll.
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Photo courtesy of Pure Noise Records

Ich kann mir vorstellen, dass es viele Menschen ansprechen wird und als spannend empfunden wird. Ich persönlich finde leider keinen Zugang zu der Platte, der es mir möglich macht, die Qualitäten als besonders herausragend zu bewerten. Deshalb gut gemeinte 4 Blitze für die LANDSCAPES und den frommen Wunsch, dass vielleicht mal etwas Licht das Gemüt aufhellt. Album-VÖ: 08.04.2016 4-Blitz