(Epitaph Europe/ Indigo) Nach ihrem Einstandserfolg mit dem Debüt "Free To Eat" bei Epitaph Records, war es nur eine Frage der Zeit und dem Willen nach ausdrucksstarker Kreativität, bis PLAGUE VENDOR ihr neues Baby nachschieben würden. Nun hat es das Quartett also geschafft und "Bloodsweat" in die Umlaufbahn geschossen. 11 neue Songs, die dich fordern werden, auf die man sich einlassen muss und nicht schon nach dem ersten Durchgang aufgegeben werden darf. Hier gibt es GaragenRock zu erleben, der Versatzstücke aus dem PunkRock und slangbehafteten BritRock (Art Brut z.B.) einfliessen lässt und auch einem gewissen Retrocharme inne hat. Dem gewollt reduzierten Lo-Fi Sound vom Debütalbum wurden etwas die Ecken rundpoliert, was aber der Authenzität des Vierers keinen Abbruch tut. Knackige Drums, ein angenehm brummender Bass und Gitarrenriffs, die nicht spektakulär sind oder lange nachwirken, aber zielgerichtet den Sprech-/Schrei- und Gesangseinlagen von Frontmann Brandon Blaine den notwendigen Raum geben. Und die kommen teilweise so sexy rüber, dass selbst ich mich als heterosexueller Mann dem schwer entziehen kann und zugeben muss, dass das 'ne geile Performance ist. Und wo wir schon bei der Begrifflichkeit Performance sind - live sollen PLAGUE VENDOR komplett durchdrehen und der Vergleich zu den ungestümen Zeiten von Iggy Pop fällt desöfteren. 'Anchor To Ankeles' tritt die Tür zu "Bloodsweat" gleich vehement auf und klingt wie eine dreckige bzw. undergroundige Version von Death From Above 1979. Auch 'Jezebel' im direkten Anschluss lotet Dynamiken aus, die es heutzutage nicht mehr oft zu hören gibt. Um den perfekten Dreier zu vervollständigen, gibt's mit 'Ox Blood' den meisterlichen Tanzbodenfüller, der das Laut-Leise-Konzept hervorragend mit einem Schuss Grunge verbindet. PLAGUE VENDOR verstehen es den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Plötzlich ist Dreiviertel der Platte vorbei ohne dass man es bewusst wahrgenommen hätte. Zeugt auf jedenfall von dem immensen Talent, Songs so zu gestalten, dass man als Zuhörer in die Kompositionen eintauchen und fast die Zeit vergessen kann. Beim wiederholten Abspielen von "Bloodsweat" sind es dann die Feinheiten innerhalb der Tracks, die dich davon abhalten werden, etwas anderes zu tun als gebannt mit dem Booklet vor deiner Anlage zu hocken.
Photo by Rowan Daily

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Wer immer noch der Auflösung von The White Stripes nachtrauert, The Hives zu glattpoliert findet oder der Geldscheffelei (=Reunion) von At The Drive-In zurecht mit Abstand begegnet, kann sich mit PLAGUE VENDOR ablenken lassen und in einigen Jahren behaupten, die Jungs schon gekannt zu haben, als sie noch nicht irgendwelche Festivals headlinen durften. Kleiner Tipp am Rande: Aufgrund der im ersten Moment gleichförmigen Songstrukturen auf "Bloodsweat", macht es in meinen Augen Sinn, die Platte episodenhaft zu konsumieren - wenn man dann den Zugang gefunden hat, wird man das Album entweder "binge-hören" oder für besondere Momente in seine Sammlung einsortieren. Album-VÖ: 25.03.2016 4.5-Blitz