(Gunner Records/ Broken Silence) Der Strom an PunkRockSängern, denen es in den Fingern juckt und die auch ein Singer-/Songwriter-Werk herausbringen wollen, reisst nicht ab. Nun traut sich JARED HART, seines Zeichens Frontmann der Heartfelt-PunkRock Truppe The Scandals, an so ein Projekt heran, um sich losgelöst von Bandzwängen zu präsentieren und seinem Ego Genugtuung zu verschaffen. Aus New Jersey stammend und im PunkRock verwurzelt, bedeutet zwangsläufig eine Erwähnung der örtlich und genremäßig nahestehenden The Gaslight Anthem oder Bouncing Souls. Weil die Intention ähnlich zu verorten ist. Teilweise sehr persönliche Texte, in denen man sich wiederfinden kann. Die mit vielen Sing-A-Longs und astreiner Hingabe zum Fäuste recken anstiften. Man bekommt bei diesen Bands das Gefühl vermittelt, dass hier das Leben stattfindet und Musik nicht bloß ein Hobby ist - hier steckt Bedeutung drin. So ist es auch um JARED HART bestellt. Wenn man schon im ersten Drittel des Albums "Past Lives And Pass Lines" Songs wie 'The Leo' oder 'Deacon Ain't Dead Yet' hören darf, die aufgrund der Catchyness und der Mithilfe von befreundeten Musikern eine Gänsehautentzündung hervorrufen und sich dank der nicht unbedingt spektakulären aber sehr eingängigen Melodien in dein Stammhirn hineinfräsen, ist die Erwartungshaltung für die kommenden Songs immens hoch. 10 Tracks hat sich JARED HART einfallen lassen, um mal die Mundharmonika, mal das Glockenspiel zum Zuge kommen zu lassen. Immer stilvoll eingebaut, immer die richtige Schnittmenge aus wunderschöner Melancholie ('The Runaround') und ernsterem Adult-Lagerfeuer-Punk ('Ditch Digger' oder 'Trenton Makes'). JARED HART verliert aber nie Melodie aus den Augen, was "Past Lives" zu einem kleinen Juwel im unüberschaubaren PunkSinger/Songwriter-Universum macht. JARED HART verzichtet auf die große Geste, ist fokussiert auf den jeweiligen Song und vermittelt das Gefühl, in sich zu ruhen. Genau diese Unaufgeregtheit ist spannend, sympathisch und macht das Debüt-Soloalbum so unverzichtbar für Liebhaber des Genres.
2016-1-27 Jersey City NJ. Jared Hart Photographed by Greg Pallante.

2016-1-27 Jersey City NJ. Jared Hart Photographed by Greg Pallante

Songs, die in ihrer reduzierten Form wie PunkRock-Knaller allererster Güte klingen und komplett elektrisch verstärkt wahrscheinlich The Flatliners und Konsorten den Rang ablaufen würden. Es aber gar nicht nötig haben zu kokettieren, sondern mit ihrer Eingängigkeit strahlen. Schönstes Songwriteralbum in diesem Jahr bisher. 5 Blitze, die ich nach wiederholten Hören der Platte nach oben korrigiert habe (vorher 4,5), da es zwar null Innovation beinhaltet, aber Emotionen in mir zum Klingen bringt. Album-VÖ: 22.04.2016 5-Blitz