(Maybenot/Kobalt/Rough Trade)

Und schon wieder ein Singer/Songwriter Thema auf Gestromt. Wo soll das bloß hinführen? Verweichlichen die Redakteure hier etwa alle? Das JAMES McCARTNEY hier aber durchaus seine Berechtigung hat, beweist er mit seinem zweiten Album "The Blackberry Train". Und wer immer noch Zweifel hat, der sollte diese spätestens beim Blick auf den Produzenten zerstreuen: Steve Albini (Pixies, Nirvana, Bush) ist back an den Reglern.

Elf Songs ist das zweite Werk von JAMES McCARTNEY stark. Ausfälle sucht man vergebens. Wunderbare Hooks, leichte Country- und Folk-Einschläge, das Ganze garniert mit einer Prise Alternative Rock. Hier und da scheint auch noch etwas 90er Gitarrenrock durch, was ich persönlich ganz klar dem Mitwirken von Albini zuschreibe.

Den Albumstart markiert der Track 'Too Hard'. Über den Track sagt McCARTNEY: "I wrote it in L.A, and tried to infuse it with a country feel to really bring out that desperation, and the idea of trying too hard. Dhani Harrison came into the studio and we both collaborated on the guitar solo in the song." Wer sich akustisch überzeugen möchte, der klickt ganz einfach hier.

'Unicorn' fährt die Countryschiene spürbar zurück und bedient sich eher aus dem Bausatzkasten der Psychedelics. Das Ganze wirkt eine Spur zackiger und lässt einen nochmal ganz genau hinhören. Und auch die Eingängigkeit hat man nicht vergessen. Definitv ein starker Track, aber seht doch einfach selbst mal:

Und dann schafft es McCARTNEY sogar noch, mit dem nächsten Track eine weitere Qualitätsstufe auf der Gefälligkeitsskala zu erklimmen. Das persönlich gefärbte 'Waterfalls' ist ein angenehm zurückhaltender Melancholie-Fetzen der zum Tagträumen und in Erinnerungen schwelgen einlädt. Obwohl im Tempo wieder deutlich gedrosselt, vielleicht dennoch der beste Track der Platte.

Ein weiterer Fixpunkt der Platte ist das hypnotische 'Ballerina', welches die sieben Minute-Grenze kratzt, aber kein bisschen langweilig wirkt. 'Peyote Coyote' und 'Fantasy' verdeutlichen nochmal die unglaubliche Stilbreite der Platte. Und spätestens bei 'Prayer' muss ich auf die musikalische Sozialisation durch den Vater verweisen. Schade, sollte diese Rezension doch eigentlich ohne Querverweise auf den musikalischen Überschatten auskommen, welcher scheinbar auf jeder Veröffentlichung von JAMES McCARTNEY liegt.

Insgesamt beschert uns der McCARTNEY-Spross ein kleines und feines Alternative Rock-Album, welches sich im Stilmittel-Teich des Folk und Pschyedelic bedient. Hoffentlich erfährt es die Aufmerksamkeit, die es verdient.

Album-VÖ: 06.05.16 5-Blitz