(Studiocanal) Auf LEGEND war ich gespannt wie Bolle, gehört doch für mich Tom Hardy zu den wenigen sehr guten Ausnahme-Schauspielern unserer Zeit! Dann muss aber auch der Stoff stimmen, denn leider konnte Tom das unterirdische Mad Max-Remake-Fiasko auch nicht retten. The Revenant hatte ich im Kino versäumt, umso gespannter war ich also auf seine Verkörperung der Kray-Doppelrolle in LEGEND! Worum geht's? "London in den 60ern: LEGEND führt uns in die berüchtigte Unterwelt Londons und zeigt die ungewöhnlichen Ereignisse, die zum Aufstieg und zum zweifelhaften Ruhm der Kray-Zwillinge führten." Reggie Kray (Tom Hardy) und sein Zwillingsbruder Ron (ebenfalls Tom Hardy) sind zwei aufstrebende Gangster im Londoner East End. Gangrivalitäten begegnet man mit Brutalität, schnell steigt man auf. Schutzgelder werden eingenommen, Allianzen mit Übersee geschmiedet, Politiker und Prominente sind in den Nachtclubs der Krays gern gesehene Gäste. Die Polizei klebt an den Brüdern wie die Fliegen am Kot. Ron, just durch Einschüchterung von Reggie der Psychiatrie entliehen, hat starke psychische Störungen und muss Tabletten nehmen, um nicht auszurasten. Reggie findet Gefallen an Francis (Emily Browning) und muss bald sechs Monate im Gefängnis absitzen. Ron ist ohne brüderliche Kontrolle und Aufsicht, driftet ab und setzt einen gemeinsamen Nachtclub in den Sand. Die Brüder beginnen, sich zu entzweien, der Anfang von Ende beginnt. So weit, so interessant, doch leider ist LEGEND trotz seiner langen Laufzeit handlungsarm, weitestgehend spannungsarm, einzig Hardys Spiel holt den Film aus der Belanglosigkeit, Aber das ist wohl das grundlegende Problem bei Biopics. Setting und Kostüme top, Handlung zumeist Flop, denn das wahre Leben ist meist nie so spektakulär wie die Ideen der Skriptschreiber. Die sich anbahnende Trennung von Reggie und Francis wird dargestellt, als würden Teile der Handlung fehlen, die bildhafte Umsetzung der Vorstellung der Brüder von Erzählerin Francis ("brutale Einmann-Armee", "härtester Straßenkämpfer") sucht man bis auf eine Kneipen-Schlägerei mit Hämmern und Schlagringen und dem ein oder anderen gezielten Fausthieb vergeblich. Und dabei wirkt Ron immer so, als stünde er kurz davor, jemanden aufzufressen. Zwar ist Hardy's Acting mal wieder großartig, aber man könnte so weit gehen, zu sagen: Kennt man seine Darstellung in Bronson und The Take (oder auch The Dark Knight Rises), kennt man eigentlich auch LEGEND. Klingt fies, ist aber so. Aber damit ist er natürlich immer noch besser, als der Großteil seiner Kollegen. Die spannungsarme Erzählweise könnte man aber auch Regisseur Brian Helgeland (L.A. Confidential, Mystic River), zuschreiben, der auch das Drehbuch schrieb. Der Mann sollte lieber weiter als Drehbuchautor fungieren, da ist er ganz klar um Meilen besser, siehe Mann unter Feuer und Co. legend-szenenbildBeim Bonusmaterial vermisst man bei den Interviews mit Cast & Crew (B. Helgeland, E. Browning, C. Eccleston, D. Thewlis, S. Spruel, T. Egerton) natürlich den Hauptdarsteller, der zwar kurz vor der LEGEND-Weltpremiere in London zu Wort kommt, diese paar Zeilen aber nicht den Hunger des Fans stillen können. Die Featurette „Die Legende der Krays“ ist interessant, das Mini-Making of aber ein Witz, da es nicht behandelt, wie die Doppelrolle eingefangen wurde. Auch hier also kein Zubrot. Mit beiden zugedrückten Augen gebe ich noch 4 Blitze, eigentlich dürften es maximal nur 3,5 sein, aber das ist der Tom Hardy-Bonus! Neben LEGEND kommt zeitgleich auch eine TOM HARDY EDITION mit drei seiner größten Erfolge erstmalig in einer Box in den Handel: BRONSON, DAME KÖNIG AS SPION und NO TURNING BACK. DVD, Blu-ray, sowie digital-VÖ: 12.05.2016 4-Blitz