(Relapse Records) “Exot” ist das Wort, das mir einfällt, um das NOTHING Debüt "Guilty Of Everything" zu beschreiben. Shoegaze-Sounds im Relapse-Roster. Hätte wohl niemand mit gerechnet. Aber NOTHING überzeugten damals mit ihrem verwaschenen, Hall-getränkten Dreampop und "Guilty Of Everything" landete auf nicht wenigen Jahres-Top-Listen. Wohlverdient! Dass dem Album die tragische Geschichte von Band-Mastermind Domenic Palermo vorausging war bereits bekannt und erklärte die in den Lyrics ausgedrückte Resignation. Wer dachte, dass sich mit dem Release die Dinge für Herrn Palermo zum Besseren wenden würden, wird leider enttäuscht. Persönliche Tragödien, handfeste Verletzungen und die Verwicklung in die Collect-Records-Sache (das Label von Finanz-Arschloch M. Shkreli) trafen NOTHING erneut hart. Trotzdem kommt "Tired Of Tomorrow" optisch fast schön fröhlich daher. Farbtupfer und so. Musikalisch bleiben sich NOTHING treu und entwickeln sich zugleich behutsam weiter. Hall und Delay spielen natürlich immer noch eine gewichtige Rolle im Bandsound (man höre 'The Dead Are Dumb'), 'Vertigo Flowers' ist aber fast schon ein richtiger Indie-Rocker mit starker 90ies-Kante. Das fragile 'Nineteen Ninety Heaven' trägt die stilprägende Dekade sogar im Titel. 'Curse Of The Sun' wäre damals ein Tanzflächen-Kracher in jeder Grunge-Disco gewesen. Insgesamt ist der NOTHING-Sound anno 2016 etwas erdiger als auf dem Debüt, was der Band sehr gut zu Gesicht steht. Mit Tracks wie z.B. 'Our Plague' gibt es aber auch wieder Futter für die Dreampop-Hardliner.
Photo by Jimmy Hubbard

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"Stranded in today, clawing from the outside, and I’m tired of tomorrow on the inside" singt Palermo im schließenden Titeltrack des Albums. Schöner wurde selten gelitten. NOTHING können sich mit "Tired Of Tomorrow" im Vergleich zum Debüt sogar noch einmal steigern. Uneingeschränkte Kaufempfehlung also. Bleibt der Band nur zu wünschen, dass es das Schicksal diesmal ein wenig besser mit ihnen meint. Album-VÖ: 13.05.2016 5.5-Blitz