(BMG Rights Management/ Warner) 9 Jahre können eine lange Zeit sein. 2007 erschien das letzte Lebenszeichen von Nick 13 und seinen ausgesuchten Mannen. TIGER ARMY existiert natürlich nur wegen Nick 13 (bürgerlich: Kearney Nick Jones). Er ist der Mastermind hinter dem Projekt TIGER ARMY, welches nie als zusammengewachsene Band entstanden ist bzw. Bestand hatte und sich bisher nicht vollständig vom Charakter des Nick 13 emanzipieren konnte/wollte. Mit dem fünften Album "V •••–", welches dieser Tage erscheint, versuchen sich TIGER ARMY wieder ins Gespräch zu bringen, um ihre Mixtur aus poppigem Psychobilly mit leichter Punkkante und coolem Crooning an den Mann/ die Frau zu bringen. Was genau die Sonderzeichen im Albumtitel aussagen sollen, bleibt mir verborgen und ist vermutlich auch nicht wirklich wichtig. Nach einem instrumentalen Intro (m.Mn. übrigens eines der überflüssigsten Momente eines Albums), geht es mit 'Firefall' perfekt los. Eine wunderschön intonierte Nummer, die an Eingängigkeit kaum zu überbieten ist. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der im Refrain eingesetzte Sirenengesang, der den Song in diesem Fall bereichert. Allerdings wird diese Bereicherung im Laufe der Spielzeit mehr und mehr zur Qual, da eigentlich sehr gute bis okaye Songideen kaputt gejault werden (wie z.b. bei 'I Am The Moth' oder 'Happier Times'). Wahrscheinlich soll es ein Markenzeichen sein und als Wiedererkennungswert etabliert werden. Allerdings reicht die charismatische Stimme von Nick 13 als Alleinstellungsmerkmal komplett aus. An Abwechslung mangelt es "V •••–" definitiv nicht, auch wenn der Weg den Pfad des Punkrocks verlässt und sich mehr und mehr den poppigen Varianten des Psychobilly zuwendet. Mit der ersten Singleauskopplung 'Prisoners Of The Night' wird schon einmal aufgezeigt, wohin in die Reise geht: Nachfolgend überzeugt auch 'World Without The Moon' mit dem Händchen für dramtisch-melancholisch Melodien, die mit dem aussergewöhnlichen Gesangsstil von Frontmann Nick 13 eine harmonische Einheit ergeben. 'Dark And Lonely Night' hat einen gewissen Roy Orbison-Charme. Eine entspannte NIghtclub-Nummer, die durch o.g. Meerjungfrauengesang leider stark an den Nerven zerrt (ohne dieses Geheule aber richtig schön wäre). Mangelnde Kreativität kann man TIGER ARMY definitiv nicht vorwerfen, da der Einsatz von Mariachi-Elementen bei 'Knife's Edge' wunderbar arrangiert ist und schön zur Geltung kommt. Ob das luftig-leichte 'Candy Ghosts', das an einen rockigen Chris Isaak erinnernde 'Devil Lurks On The Road' oder das countryeske Americana-Vehikel 'Train To Eternity' - TIGER ARMY sorgen für massive Abwechslung und versuchen alles, die Spannung aufrecht zu erhalten. Tiger_Army_Nick 13_Photo_by_Casey_Curry Der vorletzte Track 'When The Tide Comes In' ist auch gleichzeitig der Hit des Albums (neben 'Firefall') und im Grunde eine unspektakuläre Midtempo-Rocknummer, die aber durch den starken Chorus, einen sauber gesetzten Background-Gesang alles mitbringt, um im Ohr hängen zu bleiben. "V •••–" ist aber damit aber noch nicht am Ende. 'In The Morning Light' ist der offizielle Schlusspunkt, der es aber einem verdammt schwer macht, freiwillig auf die Repeat-Taste zu drücken, da hier Streichinstrumente mit der schon mehrmals genannten Unart des stimmlichen Feueralarms und einer uninspirierten Performance von Nick 13 in Verbindung gebracht werden. Da stimmt nichts und macht auch nicht Lust auf mehr. Packt Euch die 4,5 Highlights auf Euren MP3-Player und lasst Nick 13 weiterhin TIGER ARMY sein. Für ein Comeback zu unausgegoren und teilweise nervenzerrend. Wenn man mit niederschwelliger Erwartungshaltung an die Nummer rangeht, geht "V •••–" irgendwie klar. Ich hatte höhere Erwartungen und bin leicht enttäuscht. Vier Blitze. Album-VÖ: 20.05.2016 4-Blitz   (Photo by Casey Curry)