(Hassle Records) Ich glaube, es gibt fast kein Album, das ich in der Zeit seit seiner Entdeckung öfter gehört habe, als das Debütalbum "The Day's War" von LONELY THE BRAVE. Die Musik des Quintetts aus London hat mich in den letzten Monaten quasi auf Schritt und Tritt begleitet, war irgendwie immer da - in guten wie in schlechten Zeiten sozusagen. Live sah ich die Band zum ersten Mal im Vorprogramm von habichschonwiedervergessen mit schlechtestem Sound im Stollwerck in Köln und konnte nicht fassen, was für einen unfassbar schlechten Job ein Soundmann eigentlich machen kann. Die Band hat dann aber - Gott sei Dank - im Herbst letzten Jahres unter Beweis gestellt, dass sie die Songs ihrer Platte durchaus 1:1 auf die Bühne transportieren können. Im winzigkleinen MTC in Köln, in wunderbar intimer Atmosphäre, boten die Jungs die Überhits der ersten Platte 'Trick of the Light', 'Backroads' oder meinen persönlichen Favoriten 'The Blue, The Green' in einer Unmittelbarkeit dar, dass es mir ganz schwindlig wurde vor lauter Glückseligkeit. Und ja - die ein oder andere Träne hab ich auch vergossen. Geb ich zu. Wenn einem eine Band also derart an's Herz gewachsen ist, sind die Erwartungen an Album Nummer 2 geradezu unerfüllbar. Ich hab mich aber gezwungen, möglichst unvoreingenommen an "Things Will Matter" heranzugehen und wurde zum Glück nicht enttäuscht. Mit 'Wait In The Car' steigen die Engländer zwar sehr ruhig in ihr Zweitwerk "Things Will Matter" ein, aber schon mit 'Black Mire' und 'What If You Fall' folgen zwei tolle, atmosphärische, aber auch ziemlich düstere Songs. Was ich gar nicht negativ meine, allerdings kann man sich einer gewissen überkommenden Melancholie nicht erwehren. Das wird bei 'Rattlesnakes' deutlich besser - eine wundervolle Gitarrenmelodie untermalt David Jakes' einzigartigen Gesang, der wieder mit ordentlich Hall in Szene gesetzt wurde, was man mögen muss, wenn man diese Band toll finden will. Ist aber nicht für jeden - ein guter Freund von mir meinte mal: 'Nee, ey, der singt so hauchig.' Mit 'Diamond Days' folgt mein bisheriges, persönliches Highlight. Man kann förmlich Jakes' Zerissenheit spüren. Der Sänger, der als äußerst scheu gilt und sich bei Konzerten eher im Hintergrund hält, hat wohl mit seiner Musik das für ihn perfekte Ventil gefunden. Man hat eigentlich bei jedem Song das Gefühl, er würde sein Innerstes nach außen kehren, was die Songs von "Things Will Matter" nur noch besser machen.
Photo by Daniel Ackerley

Photo by Daniel Ackerley

Ich will jetzt nicht jeden einzelnen Song bis ins letzte Detail auseinandernehmen - ihr müsst euch das Album schon selbst anhören, aber ich finde wirklich jeden Track toll und besonders - hervorzuheben für mich sind aber sicherlich noch die ruhige, nachdenkliche Nummer 'Tank Wave', das treibende 'Strange Like I' und das - ich kann's nicht anders sagen - wunderschöne 'Boxes'. Album-VÖ: 20.05.2016