(Fearless Records/ Caroline) Post-HardCore mit massiver Emo-Kante. Das ist die weit geöffnete Schublade, die PIERCE THE VEIL seit Bestehen 2007 (und im Grunde auch schon mit der Vorgängerband Before Today) ausfüllen. Durch die Veröffentlichung von jetzt mittlerweile vier Studioalben einschl. dem aktuellen "Misadventures" wurde sich eine immens treue Fanbase aufgebaut. Deren Erwartungshaltung sind sich die vier Jungs aus San Diego bewusst und bedienen in schöner Regelmäßigkeit ihre Kundschaft. Weiterentwicklungen und neue Einflüsse sind nur marginal auszumachen, was ihrem sympathischen Grundauftreten aber in keinster Weise entgegensteht. PIERCE THE VEIL sind stark in soziale Projekte involviert (Peta2, Keep A Breast Foundation etc.) und äußern sich zu politischen und gesellschaftlichen Themen (auch innerhalb ihrer Songtexte). Somit zeigen PIERCE THE VEIL Verantwortung in ihrem Handeln und geben dies an ihre Fans weiter (ohne zu missionieren). Nun aber zur Platte "Misadventures". Ich bin kein Fan dieser Band und sie hat mich bisher nicht interessiert - somit gebe ich eine subjektive Bewertung im Verlauf dieser Rezension ab und werde versuchen, fair zu sein. Wer PIERCE THE VEIL über die vergangenen Jahre verfolgt und beobachtet hat, weiß auch was sie/ihn erwartet. Perfekt produzierter NewSchool-PostHardcore, der emotional nach vorne geht, ohne zu weinerlich zu sein. Ich spare mir das Herauspicken einzelner Songs oder Fragmente, da sich "Misadventures" als geschlossene Einheit präsentiert, ohne die notwendigen Ecken und Kanten anzubieten, an denen man sich reiben könnte. Die Produktion ist glasklar, das Songwriting für dieses Genre teilweise bemerkenswert nachvollziehbar strukturiert. Allerdings ist es v.a. die hörbar schweineteure Produktion, die PIERCE THE VEIL etwas die Authenzität raubt, da hier massiv auf Sicherheit gesetzt wurde und man sämtliche Finessen und technische Spielereien in den Vordergrund packt, so dass das Album kalt und abweisend klingt. Wenn es vordergründig glattpoliert nach einem Diamanten aussieht, ist es im wahren Leben meist ein Zirkonia.
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Photo courtesy of Oktober Promotion

Übertragen auf "Misadventures" von PIERCE THE VEIL bedeutet dies: Die Jungs machen soviel richtig und haben das Herz am rechten Fleck. Musikalisch sitzen die Punchlines und das Zielpublikum jauchzt vor Freude. Nur ist es mehr Schein als Sein. Aber es gibt genug Menschen, die zwar echte Edelsteine suchen, sich aber auch mit Modeschmuck zufrieden geben. Mir reicht das nicht und ich gebe meiner eigenen Erwartung entsprechend lieb gemeinte 3 Blitze. Album-VÖ: 13.05.2016 3-Blitz