(Tee Pee Records) Als die Ankündigung für die vorliegende Split von EARTHLESS und HARSH TOKE in meinem E-Mail-Eingang landete, war eigentlich schon klar: das Album wird killer. Episch. Übermächtig. EARTHLESS hatten mich mit ihrem 2013er Album "From The Ages" völlig unerwartet getroffen. Der San Diego-Dreier mit Ex-Mitgliedern von Rocket From The Crypt und Nebula haut darauf vier packende, extralange Jams raus. Sehr lockere Strukturen, viel Improvisation, quasi telephatische Verbindungen zwischen den Bandmitgliedern und überragendes Können auf den Instrumenten. Die richtige Musik, um mit Kopfhörern so tief abzutauchen. HARSH TOKE beackern ein ähnliches Terrain auf einem ebenfalls unfassbar hohen Niveau, durch Keyboards und Percussions wirkt ihre Musik aber sehr viel opulenter und bombastischer als der minimalistische Trio-Sound ihrer Split-Partner. HARSH TOKES "Light Up And Live" kam damals mit der gleichen Bestellung wie das bereits angesprochene "From The Ages" bei mir an. Und nun also treffen sich diese Giganten des gepflegten, psychedelischen Jams auf einer Split. Heavy. Los geht es mit EARTHLESS und 'Acid Crusher'. Fast 15 Minuten Musik, die sich um eine smoothe Drum und Bassfigur bewegen. Leise Jazzorgel. Einige minimalistische Rythmusgitarren-Einwürfe und eine brüllende, kreischende, schreiende Wah-Sologitarre. Manchmal auch etwas zahmer, aber überwiegend ziemlich aggressiv. Hier und da ein paar Delay- und Modulations-Effekte, aber alles in Maßen. Wie bei allen mir bekannten EARTHLESS-Songs baut sich das Material völlig organisch auf, wirkt komplett spontan und im Hier und Jetzt entstanden, ist dabei aber trotzdem perfekt durcharrangiert und auf den Punkt. HARSH TOKE kommen mit 'Mount Swan' sogar auf beinahe 20 Minuten Laufzeit. Der Sound ist deutlich dunkler und staubiger, die Riffs kommen disharmonischer und werden nicht ewig ausgewalzt. Nach ca. zwei Minuten kollabiert der Song, um sich dann, transformiert, über eine Bassfigur neu zu erheben. In der Folge bäumt sich der Song immer wieder auf, wird lauter, schneller, dann wieder leiser, ändert noch einmal sein Fundament und endet in einer wunderbaren Jam-Orgie. Ich hätte mich ehrlich gesagt schwer gewundert, hätte "Acid Crusher/Mount Swan" meinen zugegeben hohen Erwartungen nicht standgehalten. Aber erneut beweisen EARTHLESS und HARSH TOKE, dass sie die absolut Besten der heutigen, Jam-orientieren Musik zählen. Uneingeschränkte Kaufempfehlung. Album-VÖ: 27.05.2016 5.5-Blitz