Gute zwei Jahre nach ihrem letzten Konzert in Essen, traten GIRUGAMESH wieder in der Zeche Carl auf. Diesmal sogar zwei Tage hintereinander und hier geht es um das erste dieser Konzerte. Und es war etwas ganz besonderes, den gerade mal zwei Wochen vor dem Konzert, kündigte die Band an, dass sie sich auflösen und im Juli nur noch ein Abschiedskonzert in Japan geben wird. So wurde die lange geplante Europatour also spontan eine Abschiedstour. Dafür das die Zeche Carl restlos ausverkauft war, war doch noch sehr viel Freiraum vorhanden. Ob nun gekaufte Karten auf dem Schwarzmarkt versauerten oder man einfach weniger Karten bis zum Sold Out gesetzt hatte, kann ich dabei nicht sagen. Eigentlich kommen ja Bands aus der japanischen V-Rock Szene ohne Support aus. Zu dieser Tour wurden aber die Jena-Jungs von NO NEED TO STAY als Support eingeladen. Sie spielen laut eigener Aussage Theatrical Post Hardcore, hörte sich in dem Fall aber eigentlich mehr nach Metalcore mit ein paar Klassikelementen an. Die recht junge Band, welche erst vergangenen Oktober ihr Debütwerk veröffentlicht hat, versuchte alles, um die Stimmung anzuheizen, welches aber eher leidlich gelang. Es wurde zwar brav mitgeklatscht, aber der geforderte Moshpit wollte einfach nicht mehr, als eine Handvoll Menschen anziehen. Musikalisch hörte sich die Idee ja auf dem Papier sehr interessant an, aber die Umsetzung könnte echt besser sein. Den Songs fehlte einfach das gewisse Etwas und konnten kaum zum Abrocken anregen. Sie wirken auch extrem wirr geschrieben und die verschiedenen Stilrichtungen schienen so gar nicht zueinander zu passen. Das wirkte alles mehr nach in den Mixer geworfen, anstatt mit viel Bedacht zusammengeschrieben. Da war es auch gar nicht schimm, dass nach gut 30 Minuten das Set schon beendet war.
no need to stay, livefoto essen mai 2016

No Need To Stay

So konnten dann kurz vor 20 Uhr schon GIRUGAMESH die Bühne betreten und sie wurden natürlich unter frenetischem Jubel empfangen. Der Einstieg in das Konzert, hätte dabei nicht besser sein können. Mit '-Chimera-' von dem aktuellsten, und ja leider letztem Output der Band, gab es direkt volles Pfund aufs Maul und die Stimmung war sofort auf höchstem Niveau. Da dauerte es natürlich auch nicht lange, bis sich ein ordentlicher Moshpit in der Mitte gebildet hatte. Die ersten vier Lieder waren alle von den letzten zwei EPs, bevor mit 'Vermillion' der Startschuss für eine Reihe von Klassikern gegeben wurde. Die Mischung aus aktuelleren und älteren Songs war dabei sehr gelungen. Sie stellte aber auch überdeutlich klar, wie weit sich die Jungs in den letzten Jahren weiterentwickelt hatten. Das letzte Stück des regulären Teils war passenderweise 'END'. Die Band nahm sogar recht viel Kontakt mit dem Publikum auf und erzählte viel. Leider komplett auf japanisch, so dass ich über den Inhalt nichts weiter sagen kann. Sie kamen dann natürlich noch für eine Zugabe zurück, welche aus drei weiteren Nummern bestehen sollte. Gerade der Abschluss mit 'Break Down' wusste dabei zu gefallen, da man dazu nochmal alle Energie in den Moshpit oder das Headbangen stecken konnte.
girugamesh, livefoto essen mai 2016

Girugamesh

Nach gut 80 Minuten war es dann für den ersten Abend vorbei. Leider merkte man etwas, dass die Band davon ausging, dass eh den nächsten Tag alle wieder da sein würden. So verließen sie nach dem letzten Song und ohne sich zu verabschieden, die Bühne. Für Leute wie mich, für die das das letzte GIRUGAMESH Konzert aller Zeiten war, war es aber denoch ein gelungener Abschied einer tollen Band. Ich werde sie und ihre Auftritte definitiv vermissen, gerade da die Entwicklung momentan nur noch nach oben ging. Und was guten Nachschub aus der V-Rock Szene angeht, sieht es ja auch eher mager aus.