(Side One Dummy/ Cargo Records) Mit einem 10-Song starken Nachfolger zum überraschenden und überragenden selbstbetitelten Debüt, melden sich PUP aus Toronto auf der Bildfläche zurück. Sie sind bereit Herzen zu brechen, dem Trübsinn entgegen zu treten und lächelnde Gesichter sowie staunende Menschen zurück zu lassen. Das Mittel zum Zweck hört auf den Namen "The Dream Is Over". Ursprung der Titelwahl ist ein Zitat eines Arztes der ebendiese Worte benutzte, um Sänger und Gitarrist Stefan Babcock mitzuteilen, dass eine Zyste auf dessen Stimmbändern, das Ende gesanglicher Sperenzchen bedeuten würde. Ein fettes "Fuck You" später ist klar, dass sich PUP von gesundheitlichen Lappalien nicht aufhalten lassen und den Spirit ihrer energiegeladenen Shows auch auf Platte transportieren wollen. Die Selbstreflexion als Band auf ausgiebiger Tour wird beim Opener 'If This Does't Kill You, I Will' auf unterhaltsame Weise verarbeitet. Tenor: Eigentlich sind Tourtage die besten Tage deines Lebens, wenn da nicht auch die schlimmsten Momente voller Verzweiflung und Quälerei wären, die man mit seinem Bandkollegen und Freunden überwinden muss. Das Ganze wird mit euphorisierendem GaragenRock begleitet, der durch eine kleine Punkedge und dem manchmal (absichtlich) wegbrechenden Organ von Sänger Babcock einen Sog entwickelt und unterbewusst die versteckte Melodie im Stammhirn erklingen lässt (so dass man plötzlich einen Ohrwurm hat, ohne genau zu wissen woher). Perfekte Einstiegsnummer! Mit Fidlar und The Dirty Nil haben in den letzten Monaten noch weitere Bands erstaunliche Alben veröffentlicht, die sich die Eingängigkeit der großen Referenz Weezer zum Vorbild nahmen und diese mit einer respektvollen Respektlosigkeit demontierten und mit strukturiertem Krach neu zusammenbauten. PUP gehören ebenfalls in diese Riege der jungen Wilden, die ihren Vorbildern mit viel Kreativität und "Leck mich am Arsch"-Attitüde den Rang ablaufen. 'Sleep In The Heat' bedient den Fan des intensiven IndieRocks, der verzerrte Gitarren und dissonant klingende Strophen miteinander verknüpft und dieses ambivalente Gefühl entstehen lässt, wenn man glaubt, etwas Neues und Einzigartiges entdeckt zu haben. Man möchte es für sich behalten, will aber die Welt daran teilhaben lassen. Dann bricht auch noch 'Old Wounds' über einen hinein. Wieviel mehr Herzblut und Emotion kann man noch in einen tiefer gestimmten Punkrock packen, der zwar melacholisch klingt, aber einen lebensbejahend zurücklässt? Dieses Kleinod ist nur ein Beispiel, aus einem Fundus von Kompositionen, die spontan klingen und gleichzeitig einen Wiedererkennungswert parat halten, der PUP zu einer der wichtigsten Bands im Genre in diesem Jahr machen werden. Sehr persönlich, überraschend wuchtig und gleichzeitig verdammt schön. "The Dream Is Over" ist motivierend, erfrischend und in diesem Jahr (bisher) einzigartig. Was hätte ich mich geärgert, wenn ich den Song 'My Life Is Over & I Couldn't Be Happier' nicht hätte hören dürfen - der Quasi-Nachfolger zum bisherigen PUP Hit 'Reservoir'. Ohne das Qualitätslevel runterzuschrauben, werden mit 'Can't Swim', 'Familiar Patterns' und 'Pine Point' nochmals drei Highlights am Schluss gesetzt. "The Dream Is Over" entwickelt eine Eigendynamik, der man sich nicht entziehen möchte. Jeder Song landet Treffer im Herzen und lädt zum ausgelassenen Rumhüpfen ein. Anspruch und Ausgelassenheit werden perfekt von PUP kombiniert.
PUP_Band_Photo_by_Vanessa_Heins

Photo by Vanessa Heins

Meine Jahresbestenliste ist mit Erscheinen des neuen Albums von PUP schon wieder durcheinandergewirbelt worden. Wird spannend, was 2016 noch alles passiert. Hiermit stelle ich fest: Ich bin verdammt nochmal verliebt - nicht nur in meine Frau, sondern auf alternativer Gefühlsebene auch in PUP. 🙂 "The Dream Is Over" macht mich glücklich. Und alles andere als die Höchstwertung wäre vermessen. Album-VÖ: 27.05.2016 6-Blitz